Musik- & Kongresszentrum, Straßburg (FR)

Dieses Projekt verbindet die bestehenden Veranstaltungssäle aus den 1970er und 1980er Jahren mit den Neubauten zu einem harmonischen Ensemble mit einer unverwechselbaren architektonischen Identität. Der Komplex bietet nun ein internationales Zentrum für Musik und Kultur, Kongresse und Ausstellungen. Die Erweiterung und Generalsanierung umfasst den Neubau einer 3.000 m² großen Multifunktionshalle, eines Konferenzsaales für 450 Personen und eines Auditoriums mit 520 Plätzen, die Vergrößerung und den Umbau zweier bestehender Konzertsäle sowie einen neuen Probesaal für das Orchester der Philharmonie Strasbourg.

 

Konzept

Wir entschieden uns, die vorhandenen Geometrien und das Dreiecks-Motiv weiterzuentwickeln, zu ergänzen und deren Qualitäten gestärkt in den Kontext der Gegenwart überzuführen. Den beiden bestehenden Bauteilen, kurz PMC1 und PMC2 genannt, fügten wir im Südwesten eine 3.000 m² große sechseckige Mehrzweckhalle hinzu. Die bestehenden Säle haben wir saniert und vergrößert. Hinzugekommen sind das kleinere Auditorium „Cassin“, der dramatisch über dem Haupteingang schwebende Konferenzraum „Marie Curie“ und ein neuer Probesaal für das Orchester der Philharmonie Strasbourg. Ein neues zentrales Foyer mit monumentalen Treppen, Galerien und Brücken erschließt die Bereiche Konzert, Konferenz und Ausstellung. Die fast einen Kilometer lange umlaufende Edelstahlarkade fasst die Bauteile aus drei Epochen zu einer einheitlichen Großform zusammen.

Auftraggeber: Eurométropole de Strasbourg
Standort: F-67000 Straßburg, Place Bordeaux
Architektur: Dietrich | Untertrifaller mit Rey-Lucquet et associés
Projektleitung: Heiner Walker, Elke Delvoye (D|U) & Aurélien Vollmar (R-L)
Wettbewerb: 2011
Bauzeit: 2013-2016
Fläche: 44.500 m² (32.5′ Sanierung, 12′ Neubau)
Kapazität: ca. 15.000 BesucherInnen
Programm: 3.000 m² Multifunktionshalle, Konferenzsaal für 450 Personen, Auditorium mit 520 Plätzen, Probesaal für das Orchester der Philharmonie Strasbourg; Vergrößerung und Sanierung zweier bestehender Konzertsäle; 20 kleinere Tagungsräume

Auszeichnungen: 2016 Mies van der Rohe Award (Nominierung)

Planung
Statik & Haustechnik: OTE Ingénierie, Illkirch; Serue Ingénierie, Schiltigheim / Nachhaltigkeit & Bauphysik: Solares Bauen, Straßburg / Kosten: C2BI, Straßburg / Akustik: Müller-BBM, München / Bühnentechnik: W. Kottke, Bayreuth / Fassade: CEEF, Ramonchamp / Landschaft: Digitale Paysage, Imbsheim

Ausführung
Bauleitung: Rey-Lucquet et Associés, Straßburg / Koordination: C2Bi, Straßburg Neuhof / Baumeister: Bouygues Construction, Paris / Peristyl: Munch Metal Industry, Guewenheim / Fassade: Gremmel, Eschau / Polstersitze: Poltrona Frau, Tolentino (IT)

Fotos: © Bruno Klomfar

Urbaner Kontext

 

Mit einer Bruttogeschossfläche von 45.000 m² ist das Kongresszentrum ein wesentlicher Bestandteil des Stadtentwicklungsprojektes Wacken-Europe.

Der nächst dem Europaparlament gelegene Stadtteil im Norden der Innenstadt erhält damit ein neues architektonisches Wahrzeichen und positioniert sich als attraktives internationales Geschäfts- und Dienstleistungsviertel.

 

Der Park mit altem Baumbestand ist Teil des architektonischen Konzeptes. Geschwungene Wege, flankiert von schlichten Betonblöcken als Sitzgelegenheiten durchziehen die Wiese. Sie erlauben vielfältige direkte Zugänge vom umgebenden Straßenraum sowie von den Veranstaltungsräumen und bilden vor dem Säulengang Vorplätze für zwanglose, kommunikative Treffen.

Organisation & Raumprogramm

Qualitäten des Vorhandenen herausgeschält, neu interpretiert, völlig neue räumliche Abfolgen hergestellt, couragiert erweitert und ein neues Ganzes von hohem Wiedererkennungswert geschaffen – so könnte man unsere Arbeiten knapp zusammenfassen.

Schwerpunkt des Konzepts ist ein zentrales Foyer mit Lufträumen, Galerien und Brücken, das die drei unterschiedlichen Bereiche Konzert, Konferenz und Ausstellung erschließt und zusammenfasst. Die Foyers bieten zusätzliche Ausstellungsflächen oder laden in den Pausen als informelle Meetingzonen zum kommunikativen Austausch ein. Dieses klare, übersichtliche Raumprogramm strukturiert die Funktionsabläufe und ermöglicht den Besuchern eine bessere Orientierung.

Kontrastreiches Design

Im Kontrast zu den unbunten Foyer-Bereichen haben wir alle Säle in einen kräftigen einheitlichen Farbton getaucht, der sich als farbiges Leitsystem in den in die Akazienverkleidung eingeschnittenen Eingängen und den dazugehörenden Garderoben im Erdgeschoss wiederholt. Alle Säle sind mit modernster Veranstaltungstechnik ausgestattet und flexibel nutzbar. Der große Saal „Erasme“ leuchtet in kräftigem Rot und bietet nun 1.870 Personen Platz. Die markant strukturierten Wandverkleidungen blieben erhalten.

 

Akustik

Das Akustikkonzept der Säle wurde gemeinsam mit Müller-BBM, München, entwickelt. Die dekorativen Gipselemente an Decke und Wand ergeben eine diffuse Akustikmischung für eine ausgewogene Klangqualität ohne übermäßige Klarheit.

Der violette Schweitzer Saal wurde um 300 Plätze nach hinten erweitert und fasst nun 1.180 Besucher.
Das neue blau gehaltene Auditorium „Cassin“ weist mit 515 Plätzen eine intimere Atmosphäre auf.
Der in strahlendes Rot getauchte Veranstaltungssaal „Marie Curie“ gibt den Blick ins Foyer und den Park frei.
Außen mit Akazienholz verkleidet, ›schwebt‹ er auf schlanken Stützen im Obergeschoss über der Eingangshalle.
Am Abend leuchtet er wie eine Laterne über dem Haupteingang nach außen.
Mit der „Hall Rhin" im neu errichteten Flügel steht auf 3.000 m² eine vielseitig nutzbare Multifunktionshalle für Großveranstaltungen wie Messen und Kongresse zur Verfügung.
Großzügige Foyers bieten zusätzliche Ausstellungsflächen oder laden in den Pausen als informelle Meetingzonen zum kommunikativen Austausch ein. Raumhohe Verglasungen sorgen für üppiges Tageslicht und stellen attraktive Bezüge zum Außenraum her.
Im Anbau an das PMC1 und in nächster Nähe zum Auditorium Erasme erhielten die Straßburger Philharmoniker einen neuen, mit Eiche verkleideten Probesaal und zahlreiche kleine Übungsräume für die Musiker.

Foyer

Im Foyer wurden starke strukturelle Elemente des Bestands – wie die auf einem Dreieckraster aufgebaute Decke – in die Neugestaltung integriert. Neu eingeschnittene Oberlichten erhellen das Foyer. Die einzelnen Säle treten als mit Akazienholz verkleidete Körper hervor. Das bestehende Marmorfoyer aus den 1970er Jahren wurde saniert sowie von der Deckenverkleidung und späteren Einbauten befreit.

Fassade

 

Auch an der Fassade ist die architektonische Idee ablesbar: Eine umlaufende Arkade von fast einem Kilometer Länge umhüllt und eint den gesamten Gebäudekomplex und verleiht ihm ein markantes Profil. Die fünfzehn Meter hohen und sechs Tonnen schweren Stahlsäulen mit einer Verkleidung aus kantig gefalteten Edelstahlblechen bilden durch Drehungen und den Rhythmus ihrer Anordnung eine attraktive, dynamische Außenhülle. Gleichzeitig symbolisiert die ausdrucksstarke Fassade das reiche architektonische Potenzial für die Integration von Alt und Neu.

Bauarbeiten bei laufendem Betrieb

Die umfangreichen Neubau- und Sanierungsarbeiten wurden bei laufendem Betrieb durchgeführt. Wir haben das bestehende Foyer und die Säle entkernt, vergrößert und technisch auf den neuesten Stand gebracht.
Der Komplex wurde um rund 8.000 m² mit einer großen Mehrzweckhalle, einem Konferenzsaal, Tagungsräumen und einem Restaurant erweitert.
Abschließend haben wir mit einem umlaufenden Peristyl das einst heterogene Ensemble aus den drei Epochen zu einer architektonischen Einheit zusammengefasst und ihm so eine neue Identität verliehen.

Historie

Wir haben 2011 den von der Stadt Straßburg ausgelobten internationalen Wettbewerb gemeinsam mit dem lokalen Büro Rey-Lucquet & Associés nach einem einstimmigen Juryentscheid gewonnen.

Die ersten Vorschläge für einen Musik- und Kongresspalast stammen von Le Corbusier, wurden aber bedingt durch dessen Tod im Jahr 1965 nicht umgesetzt. Erst in den 1970er-Jahren wurde das Projekt wieder aufgegriffen und nach Plänen des Straßburger Stadtarchitekten François Sauer und seines Nachfolgers Paul Ziegler in Form eines hexagonalen Bauköpers umgesetzt.

Ende der 1980er-Jahre folgte ein Anbau mit ungefähr gleichem Volumen – wiederum auf sechseckigem Grundriss –, der mit dem Auditorium Schweitzer einen zusätzlichen großen Musik-, Theater- und Veranstaltungsraum und weitere Veranstaltungsflächen bereitstellte. Die Signifikanz dieser Strukturen bewog uns dazu, die bestehende Geometrie weiterzuentwickeln und deren Qualitäten gestärkt in die Gegenwart überzuführen.