legero united campus, Feldkirchen bei Graz (AT)

Der legero united campus im Süden von Graz besteht aus zwei unterschiedlich großen Ringen. Großzügige Verglasungen, die im Sonnenlicht changierende Fassade aus bronzefarbenem, eloxierten Aluminium und die üppig bepflanzten Innenhöfe verwischen die Grenzen zwischen Innen und Außen. Der größere Büroring kann jederzeit um eine weitere Etage aufgestockt werden. Damit wird dem Wunsch des Kunden nach einem ›mitwachsenden‹, in Etappen ausbaubaren Firmensitz entsprochen, ohne ein Provisorium, einen Torso zu erzeugen. Es entsteht ein Campus als Ort mit eigenständiger Identität und großer Strahlkraft, eine dynamische und doch harmonische Komposition, zu jeder Zeit und in allen Bauphasen. Der innovative Campus übersetzt die Unternehmensphilosophie von Entwicklung und Gemeinschaft in ein architektonisches Gesamtkonzept. Die Gebäude zeigen eine gelungene Symbiose von ausgefeilter Haustechnik, nachhaltigen Materialien und flexiblen Raumnutzungen.

„Unser Ziel war es, einen Campus zu planen, der die internen Abläufe und den gewünschten Außenauftritt der Firma legero united widerspiegelt“, erklärt Architekt Much Untertrifaller. „Die Richtungslosigkeit des Kreises unterstreicht die Gleichwertigkeit jedes Bereiches im Inneren des Gebäudes. Spannende, fließende Raumfolgen unterschiedlichster Ausprägungen im Inneren und Äußeren waren das Ziel, Unverwechselbarkeit und Charakter sind so garantiert.“

Auftraggeber: legero united campus GmbH
Standort: A-8073 Feldkirchen bei Graz
Architektur: Dietrich | Untertrifaller
Projektleitung: Ulrike Bale-Gabriel, Fabio Verber
Wettbewerb: 2016
Bauzeit: 2018-2019
Fläche: 9.100 m²
Kapazität: 250 Arbeitplätze, Büros & Showroom/Outlet

Planung
Statik Beton: Wendl, Graz / Statik Holz: Merz Kley Partner, Dornbirn / Haustechnik: team gmi, Wien, Elektro: Klauss, Seiersberg / Bauphysik: Spektrum, Dornbirn / Brandschutz: Norbert Rabl, Graz / Landschaft: Kieran Fraser, Wien

Ausführung
Baumeister: Kulmer Bau, Pischelsdorf / Fassade, Schlosser: Metallbau Wilhelmer, Kolbnitz / Zimmerer: Lieb Bau Weiz, St. Ruprecht / Holz-Alu-Fenster: KAPO Fenster und Türen, Pöllau / Trockenbau: Schreiner, Graz / Büromöbel: Bene, Waidhofen an der Ybbs

Fotos: © Bruno Klomfar / Visualisierung: Dietrich | Untertrifaller – Expressiv

Flexible Organisation

Der große Büroring nimmt die ersten beiden Bauetappen auf und kann über dem Flachdach aufgestockt werden. Die kreisförmigen Grundrisse erzeugen abwechslungsreiche räumliche Erlebnisse in der Bewegung durch die Geschosse und ermöglichen den einzelnen Abteilungen flexible Gestaltungslösungen. Die abgeschlossene Form schützt vor Lärmimmissionen und schafft eine eigenständige Binnenwelt, die mit gläsernen Pavillons, Holzdecks und üppiger Bepflanzung zu Kommunikation und Entspannung einlädt.

Neben dem Büroring liegt das zylinderförmige Outlet. Seine fließende Raumfolge wird gegliedert durch weitere eingestellte Zylinder unterschiedlicher Größe und Funktion sowie eine umlaufende Galerie. Dieses Ambiente schafft ein Einkaufserlebnis, das in hohem Maße mit den Marken des Auftraggebers assoziierbar ist und in weiterer Folge durch zusätzliche kreisförmige Volumen zu einem Fachmarktzentrum ergänzt werden kann.

Funktionale, ästhetische und wirtschaftlich hocheffiziente Struktur

Die beiden Geschosse des Bürorings sind in Bezug auf Nutzung und Material bewusst sehr unterschiedlich gestaltet. Das Erdgeschoss, das alle halböffentlichen Bereiche wie Foyer, Betriebsrestaurant und Besprechungsräume enthält, ist aus Stahlbeton. Stützen, Wände und Decken sind in Sichtbeton ausgeführt und spiegeln damit auch die Robustheit und den Werkstattcharakter der Musterproduktion wider.

Das rundum verglaste Betriebsrestaurant ist als eigenständiger Zylinder in den Innenhof gestellt. Automatische Außenvorhänge schützen vor zu starker Sonneneinstrahlung.

Das Obergeschoss ist als Holzbau konstruiert, der kreisförmige Grundriss wird durch Stahlbeton-Zugangskerne gedrittelt. Diese Grundordnung ermöglicht eine funktionale, ästhetische und wirtschaftlich hocheffiziente Struktur und vereinfacht die Aufstockung des Gebäudes. Die Holzoberflächen der Konstruktion bleiben sichtbar, Deckenelemente in Metall bilden einen attraktiven Kontrast. Zwischen den Büroarbeitsplätzen eingestreute Ruheoasen und Gemeinschaftszonen tragen zur Mitarbeiterzufriedenheit bei.

 

Platzsparende Erschließung

Alle Geschosse werden über drei Kerne erschlossen, die die komplette Infrastruktur beherbergen wie Lift, Treppen, Toiletten, Putz- und Serverräume und Teeküche sowie eine Pausen-Loggia zum Innenhof. Auch die gesamte Haustechnik ist in diesen Kernen untergebracht. Dadurch bleiben die restlichen Flächen frei von Einbauten und bieten maximale Flexibilität der Arbeitsbereiche.

Innovative Konstruktion

Stützen aus Holz und Verbundwerkstoff, deckenhohe Träger aus Stahlbeton und Holz-Beton-Verbunddecken werden nach dem Baukastenprinzip vorgefertigt und auf der Baustelle montiert. Dies ermöglicht neben einem schnellen Baufortschritt auch eine anspruchsvolle, weil definierte Gestaltung der Oberflächen.

Der Einsatz des Deltabeam Verbundträgersystems im gesamten Ringgebäude erlaubt nicht nur eine Reduktion der Konstruktionshöhe von 10 bis 15 Prozent, sondern auch eine flexiblere Innenraumgestaltung und eine einfache Leitungsführung für Heizung und Kühlung. Der im Deltabeam integrierte Brandschutz erspart außerdem den Aufwand der Verkleidung.

 

Nachhaltige Materialwahl

Bei der Materialwahl wurde großes Augenmerk auf Nachhaltigkeit gelegt. So werden nur heimische Hölzer und, wo es möglich ist, Recyclingbeton verwendet.

Im Mittelpunkt der Mensch

Damit sich die Mitarbeiter und Kunden ›rundum‹ wohlfühlen, haben wir bei der Planung besonderes Augenmerk auf arbeitsplatzfreundliche Räume, Ruheoasen und Gemeinschaftszonen gelegt. Der grüne Innenhof ist Rückzugsort und Energietankstelle. Alle Möbel und die Akustikelemente an der Decke sind aus Holz und sorgen dafür, dass die Atmosphäre nicht zu kühl wirkt. Die wesentlichen Elemente der Holzstruktur können im Gebäude gesehen und erlebt werden. Ästhetisch, wirtschaftlich und nachhaltig.

 

Nachhaltiges Energiekonzept

Eine ausgefeilte Haustechnik, der Einsatz einer Geothermieanlage fürs Heizen und Kühlen sowie Brunnenwassernutzung prägen die nachhaltige Energieversorgung des Campus – und machen die Gebäuderinge zu grünen Satelliten mit hohem Wohlfühlfaktor für Mitarbeiter und Kunden.

Diese Lösung ermöglicht nicht nur höchst effizientes Beheizen, sondern liefert im Sommer praktisch zum Nulltarif einen Großteil der notwendigen Kühlenergie, also passive Kühlung. Durch eine Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung können etwa 80 % der Lüftungswärmeverluste vermieden bzw. zurückgewonnen werden. Die Hauptdachfläche wird außerdem mit einer Photovoltaikanlage bestückt.

Die abgeschlossene Form des Innenhofs des großen Bürorings schützt vor Lärm und schafft eine eigenständige Binnenwelt.
Die Cafeteria im weitläufigen begrünten Innenhof lädt zu Kommunikation und Entspannung ein.
Großzügige Verglasungen bieten vielfältige Blickbeziehungen und verwischen die Grenzen zwischen Innen und Außen.

Das Schuh-Outlet

Form und Design des kreisförmigen Schuh-Outlet bieten ein ganz besonderes Einkaufserlebnis. Der stützenfreien Raum ist von einem sternförmigen Holztragwerk überspannt. Auch dieses Ringgebäude kann – je nach Wunsch und Entwicklung – flexibel umgestaltet werden.

Mitwachsende Gebäude

Flexible Aufstockungs- und Andocklösungen durch zusätzliche “Satelliten”- Ringe machen den legero campus nicht nur architektonisch einzigartig, sondern auch die Infrastruktur zukunftsfit: Entwickelt sich das Unternehmen, kann auch das Gebäude mitwachsen.

Bauabschnitt 1: Bürogebäude auf 2 Ebenen + Outlet

Bauabschnitt 2: Aufstockung Bürogebäude auf 3 Ebenen + Outlet

Bauabschnitt 3: Bürogebäude auf 3 Ebenen + Bürogebäude 2 + Erweiterung Outlet auf Fachmarktzentrum