Sanierung Volkstheater, Wien (AT)

1889 als bürgerliches Gegenstück zum Burgtheater im Neo-Renaissance-Stil erbaut, bietet das Haus 850 Sitzplätze und den bekannten Roten Salon. Ziel der dringend notwendigen Sanierungs- und Umbauarbeiten war es, den Zuschauern zeitgemäßen Komfort zu bieten, moderne Sicherheitsstandards herzustellen und die Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Der gesamte denkmalgeschützte Bestand und damit der ursprüngliche Charakter blieben erhalten.

Bühnentrakt
Für den reibungslosen Ablauf von Anlieferung, Aufbau und Umbau der Bühnenkonstruktionen haben wir den Bühnenraum Richtung Burggasse erweitert und eine neue Seitenbühne mit Anlieferungsportal errichtet. Ein kleiner Vorbau mit Hubpodium verbindet die Anlieferungs- und Zufahrtsebene mit der neuen Seitenbühne bzw. der Hauptbühne. Die Bühnentechnik wurde auf den modernsten Stand gebracht und spielt in Zukunft alle Stücke. Künstlergarderoben, Sanitäranlagen und Büros wurden saniert, adaptiert und teilweise neu angeordnet. Die Theaterverwaltung gewinnt durch die geringfügige Anhebung des Daches zusätzlichen Raum. Das neue Bühnenfoyer mit Portiersloge bietet einen direkten Zugang in die Kantine.

Zuschauertrakt
Auch im Zuschauertrakt wurden Räume neu organisiert. So haben wir im Parterre eine neue Zentralgarderobe eingerichtet und die Abendkasse ins Vestibül verlegt. Die Tageskasse befindet sich nun an der Seite zur Neustiftgasse. Dort wo sich früher Kartenbüro, Garderobe und Durchfahrt befanden, sorgt nun ein großzügiges Foyer mit Café für ein einladendes Entrée und entlastet den Haupteingang. Im Sinne eines offenen Hauses wurden die vorher verbauten Ausgänge in die Arkaden freigelegt und bieten attraktive Ein- und Ausblicke. Das neue Foyer erschließt auch die Rote Bar im ersten Stock, die dadurch unabhängig vom Theaterbetrieb bespielt werden kann.

Sicherheit & Barrierefreiheit
Die Sicherheit der Mitarbeiter und Besucher sowie die Barrierefreiheit waren zentrale Themen der Sanierungsarbeiten. Theatersaal, Garderoben, Fluchtstiegen und Rote Bar wurden als eigene Brandabschnitte ausgebildet, die Saaltüren erneuert und zusätzliche Brandschutzportale zwischen Garderobe- und Foyerflächen eingebaut. Der Zugang zur neuen Tageskassa an der Neustiftgasse und die ehemalige Vorfahrt an der Burggasse wurden barrierefrei adaptiert. Ein neuer Aufzug im Zuschauertrakt verbindet Foyer und Café im Erdgeschoss mit der Roten Bar im ersten Stock. Auch im Bühnentrakt ermöglicht ein Aufzug die barrierefreie Erschließung aller Geschosse.

Beleuchtung & Fassade
Besonderes Augenmerk haben wir auf die Erneuerung der Beleuchtung gelegt. Die Wandkandelaber an den Säulen unter Balkon und Rang, das Licht in den Logen und die zentrale Ausleuchtung des Theatersaals wurden nach historischen Plänen restauriert und ergänzt. Die Fassadenbeleuchtung macht den neuen alten Glanz des Hauses auch außen sichtbar. Zur Verbesserung der thermischen Qualität wurde die reich gegliederte Putzfassade des Theaters im Einvernehmen mit dem Bundesdenkmalamt gereinigt und saniert. Die teilweise undichten Flachdächer, Dachterrassen und Dachkuppeln wurden ebenfalls in Stand gesetzt und neu gedeckt. Auch wenn man nun viele der durchgeführten Arbeiten nicht mehr sieht – spürbar sind sie überall im Haus und werden Mitarbeitern und Besuchern noch lange Freude bereiten.

Auftraggeber: Volkstheater GmbH
Standort: A-1070 Wien, Neustiftgasse 1
Architektur: Dietrich | Untertrifaller mit Van der Donk
Projektleitung: Michael Porath, Axel Laimer-Liedtke
Wettbewerb: 2016
Bauzeit: 2019-2020
Fläche: ca. 600 m²

Partner
Projektsteuerung, Statik, Bauphysik: FCP Fritsch Chiari & Partner, Wien / Haustechnik: Zentraplan, Wiener Neustadt / Elektro: TB Eipeldauer+Partner, Traiskirchen / Bühnenplanung: Kottke, Bayreuth / Akustik: Müller BBM, Planegg / Landschaft: Kieran Fraser, Wien /// Fotos: © EMILBLAU / Martin Geyer, © Dietrich | Untertrifaller