Volksschule Unterdorf, Höchst (AT)

Die Volksschule Unterdorf in der Vorarlberger Gemeinde Höchst ist eine radikale und kompromisslose Umsetzung der modernen “Clusterschule”. In einem schlichten, langgestreckten, ebenerdigen Holzbau sind auf der Ostseite vier idente Cluster für 200 Schüler untergebracht. Zentrum jedes Clusters ist der Aufenthaltsraum, überkuppelt von einem hohen hölzernen Pyramidenstumpf, durch dessen Oberlicht Tageslicht strömt.

 

Urbaner Kontext

Der flache Schulbau fügt sich harmonisch in die mit Einfamilienhäusern locker bebaute Umgebung ein. Der Pausenhof vor der Aula ist durch zahlreiche Wege mit dem gewachsenen Wegenetz von Unterdorf verbunden. Teile der Außenflächen und Sportanlagen stehen der örtlichen Bevölkerung als frei zugängiges Spiel- und Freizeitareal zur Verfügung.

Auftraggeber: Gemeinde Höchst
Standort: A-6973 Höchst, Gaißauer Straße 10
Architektur: Dietrich | Untertrifaller
Projektleitung: Peter Nussbaumer, Katharina Reiner
Wettbewerb: 2013
Bauzeit: 2015-2017
Fläche: 2.530 m²
Ökologie: KGA 940 Punkte, Energiekennwert: 16 kWh/m²a
Kapazität: 200 SchülerInnen, 8 Klassen + Vorschulklasse

Auszeichnungen: Hypo Bauherrenpreis 2020; The Plan Award 2018; Big See Wood Award 2018; Wood, Design & Building Award 2017 (Canadian Wood Council)

Planung
Bauleitung: gbd, Dornbirn / Statik Holz: Merz Kley Partner, Dornbirn / Statik Beton: Gehrer, Höchst / Haustechnik: e-plus, Egg / Elektro: Hecht, Rankweil / Bauphysik: Weithas, Hard / Bauökologie: Spektrum, Dornbirn / Thermische Gebäudesimulation: teamgmi, Schaan / Landschaft: Heinrich, Winterthur

Ausführung
Baumeister: i+R Gruppe, Lauterach / Holzbau: Dobler, Röthis / Heizung & Sanitär: Kienreich, Lauterach / Lüftung: Kranz Luft-Klima-Technik, Weiler / Elektro: Aschaber, Kitzbühel

Fotos: © Bruno Klomfar

Organisation in Clustern

Das pädagogische Konzept zeichnet sich durch spielerisches Lernen in überschaubaren, familiären Gruppen aus. Diese Gruppen sind in eigenen „Häusern“ auf der Ostseite des Gebäudes untergebracht. In jedem der vier Cluster sind zwei Klassenzimmer, Gruppen- und Ruheraum um einen zentralen, mit einem überhohen Dach akzentuierten Aufenthaltsraum angeordnet.

Räumliche Vielfalt und gute Überschaubarkeit ergeben eine abwechslungsreiche, flexible Lernlandschaft. Die Sonderklassen und die Verwaltung liegen gegenüber auf der Westseite und sind durch eine großzügige Aula mit der abgesenkten Turnhalle verbunden. Durch verschiebbare Elemente kann die Aula funktionell vom eigentlichen Schulbereich getrennt und für externe Veranstaltungen wie Vorträge, Lesungen etc. mit maximal 120 Personen genutzt werden.

Da die Turnhalle samt Nebenräumen außerhalb der Schulzeiten unabhängig erschlossen ist, kann sie von Sportvereinen störungsfrei bespielt werden.

Durch die Oberlichten des hohen, hölzernen Pyramidenstumpfes, der jeden Aufenthaltsraum überkuppelt, strömt Tageslicht herein. Die zahlreichen Sichtachsen sind auch eine ständige Einladung, den Raum in der Mitte zu nutzen und stärken das Gemeinschaftsgefühl innerhalb des Clusters. Ein direkter Ausgang in einen eigenen Garten und Freiklassenbereich bezieht den Außenraum mit ein und ermöglicht kurze Verkehrswege.
Die Eingangshalle kann auch für externe Veranstaltungen genutzt werden.
Die zweigeschossige Turnhalle ist abgesenkt, um das Gebäude flach zu halten.

Transparente Innenräume

Großflächige Verglasungen sorgen für die nötige Transparenz, damit die Lehrer ihre Schüler stets im Blick haben, wenn diese in Kleingruppen in unterschiedlichen Räumen lernen oder spielen.

Direkter Gartenzugang für alle

Gärten und Outdoor-Klassen mit direktem Zugang von jedem Cluster aus verwischen die Grenzen zwischen Innen und Außen und integrieren die Natur in das Lernumfeld.

Nachhaltige Konstruktion

Die 100 Meter lange, 40 Meter breite und 4,50 Meter hohe Schule ist bis auf die betonierten erdberührenden Teile als reiner Holzbau ausgeführt. Die Oberflächen aus mehrschichtigen, verleimten Massivholzplatten sind nicht verkleidet, die Holzkonstruktion bleibt in allen Räumen sichtbar. Schülerinnen und Schüler profitieren vom besseren Lernklima und einer angenehmen, warmen Atmosphäre im Haus, die auch Heizkosten spart.

Die Materialwahl basiert auf Nachhaltigkeit und ökologischer Optimierung. Die „graue“ Energie konnte durch den nachwachsenden, regionalen Baustoff Holz drastisch reduziert werden. Beim „Kommunalen Gebäudeausweis“ des Landes Vorarlberg hat die Schule in Unterdorf mit 940 Punkten einen der bisher höchsten Werte für einen Neubau erhalten.
Das extensiv begrünte Flachdach kompensiert den höheren Verbrauch an Grundfläche. Dies sorgt nicht nur für eine optimale Wärmedämmung und Schutz vor Überhitzung im Sommer, sondern ist auch eine ideale Bienenweide und ein unberührbares, lebendiges Biotop für zahlreiche Insekten.

Der gesamte Schulbau wurde energetisch und haustechnisch optimiert. Die Merkmale: hochwärmegedämmte Bauteile, passivhaustaugliche Fenster mit Dreifach- Isolierverglasung, Niedrigtemperatur-Beheizung über Fußboden, Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und Luftmengensteuerung per CO²-Fühler, Free Cooling über Grundwassersonde, Nachtlüftung zur Abkühlung im Sommer. Der Heizenergiebedarf liegt bei 16 kWh/m²a.

Pädagogisches Konzept gemeinsam umgesetzt

Mit unseren Schulbauten wollen wir neue Unterrichtsformen auch architektonisch unterstützen und Inklusion – also die gleichberechtigte Teilhabe aller SchülerInnen und einen auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittenen Unterricht – erleichtern. Clusterschulen bieten dafür beste Voraussetzungen. Das pädagogische Konzept hinter diesem Begriff steht für Unterricht in Kleingruppen, flexibel nutzbare Räume und abwechslungsreiche Freiflächen, möglichst mit Außenbezug. Charakteristisch ist die Auflösung des starren Raumprogramms: Keine Klassenzimmer entlang von Erschließungsgängen, sondern offene Grundrisse, die unterschiedliche Lehr- und Lernformen ermöglichen.

Eine Arbeitsgruppe aus LehrerInnen, GemeindevertreterInnen und Beratern war von Anfang an in die Wettbewerbsausschreibung sowie in die Planung eingebunden und hat auch regelmäßig an den Baubesprechungen teilgenommen. Diese enge Zusammenarbeit war ein wesentlicher Faktor für die erfolgreiche Umsetzung dieses zukunftsweisenden Pilotprojektes, das einen neuen Schulstandard in Österreich definiert und hoffentlich als Multiplikator für den Holzbau in Österreich wirkt.