Volksschule Edlach, Dornbirn (AT)

Neue pädagogische Konzepte verlangen nach neuen architektonischen Formen. Um die Edlacher Volksschule in eine zeitgemäße Clusterschule umzuwandeln, bilden die Stammklassen und Gruppenräume kleine Einheiten mit vielfältigen räumlichen Gestaltungsmöglichkeiten. Parallel zur bestehenden Turnhalle beherbergt das 70 Meter lange Hauptgebäude die Unterrichtsräume auf zwei Ebenen. Das Bindeglied zwischen Schule und Turnhalle ist die verglaste, multifunktionale Aula, zugleich der Eingang der Schule. Um 70 Zentimeter abgesenkt, gewinnt sie an Raumhöhe und eignet sich durch die Abtrennung vom Schultrakt auch bestens als Veranstaltungssaal.

Bei der Volksschule Edlach wurde das Konzept der Clusterschule architektonisch präzise und wirtschaftlich umgesetzt, ohne sich gänzlich von der ursprünglichen Baustruktur abzukehren. Für die Schulgemeinschaft blieb somit der Wiedererkennungswert und damit eine leichte Orientierung in der neuen Struktur des Ganztages- und Inklusionsunterrichts erhalten.

Auftraggeber: Stadt Dornbirn
Standort: A-6850 Dornbirn, Edlach
Architektur: Dietrich | Untertrifaller
Projektleitung: Peter Nußbaumer, Anna Norrgard
Wettbewerb: 2012
Bauzeit: 2015-2016
Fläche: 3.770 m²
Ökologie: Niedrigstenergiestandard HWB 17 (17 kWh/m²/Jahr); Klimaaktiv Gold (980 von 1000 Punkten)
Kapazität: 300 SchülerInnen / 12 Klassen

Auszeichnungen: 2017 Staatspreis Architektur & Nachhaltigkeit

Partner
Bauleitung: Flatschacher, Hohenems / Statik: gbd und Nagy, Dornbirn / Bauphysik: Weithas, Lauterach / Haustechnik: Cukrowicz, Lauterach / Elektro: Meusburger, Bezau / Geologie: 3P Geotechnik, Bregenz /// Fotos: © Kurt Hörbst, © Bruno Klomfar

Übersichtliche Organisation auf zwei Ebenen

Im Erdgeschoss liegen Bibliothek, Sonderklassen, Besprechungs- und Lehrerzimmer sowie Garderoben und Toiletten. Zwei frei im Raum stehende Betontreppen führen ins eigentliche, zweihüftig organisierte Klassengeschoss. Die vier Cluster sind jeweils paarweise an einer Stiege gruppiert und bestehen aus je drei Stammklassen, zwei Gruppenräumen und einer zentralen Aufenthaltszone. Die Klassenzimmer öffnen sich zu einem verglasten Erschließungskern, der großzügig von vertikal einfallendem Tageslicht durchflutet wird, sich an bestimmten Stellen erweitert und so Zonen für Gruppenarbeit und Entspannung definiert. An den Schmalseiten des Klassentraktes sind überdachte, komplett mit Holz verkleidete Balkone eingeschnitten, die auch als Außenklassen genutzt werden können.

Die annähernd quadratischen Klassen erlauben differenzierte Unterrichtsanordnungen. Kurze Wege und übersichtliche Gestaltung vereinfachen die Betreuung der Kinder. Erschließungsflächen und Kellergeschoss sind auf das Minimum reduziert. Die Gestaltung des Außenraumes stärkt den räumlichen Bezug des Pausenhofes zur Aula und zum Klassentrakt. Das zurückgesetzte Erdgeschoss schafft gedeckte Pausenflächen und verzahnt die Außenräume stärker mit dem Inneren der Schule.

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Zwei frei im Raum stehende Betontreppen führen ins eigentliche Klassengeschoss.
Der verglaste Erschließungskern bietet auch Zonen für Gruppenarbeit und Entspannung.
Überdachte Balkone an den Schmalseiten des Klassentraktes bieten weite Ausblicke.

Design mit Holz

Holz ist allgegenwärtig, sowohl in der Konstruktion als auch in der Fassadenverkleidung und in der Innengestaltung der Klassenräume. Für eine wohnliche Atmosphäre sorgen geölte Eichenböden. Ein besonderes Farbkonzept ergänzt die kontrastreiche Materialität aus gläserner Aula, ebenerdigen Funktionsräumen in Beton und Klassenzimmern in Holz: sanftes Blau in den Klassen, Lasuren in Grün- und Gelb in den Bewegungszonen.

Turnhalle: Holz innen und außen

Die bis auf den Rohbau entkernte und komplett sanierte Sporthalle wurde ebenfalls mit Weißtannenlatten verkleidet. Wände, Decken und Türen sind aus hellem Birkenholz, neue Fensterbänder bringen Licht in Halle. Die Verwendung von natürlichen Produkten und der Wert, der auf die Ausführung der Details gelegt wurde, tragen dazu bei, dass dieses Ensemble zu einem harmonischen und heiteren Ort des Lernens wird.

Konstruktion mit "ausgezeichneter" Nachhaltigkeit

Das Erdgeschoss besteht aus Sichtbeton mit Innendämmung, das Obergeschoss des Klassentraktes wurde als Betonskelettbau mit einer Konstruktion aus gedämmten, vorgefertigten Holzelementen errichtet. Winkelförmig angeschlossene Betonbänder längs der Nord- und Südfassaden verbinden Turnhalle und Aula außen miteinander. Sie bilden gedeckte Übergänge zwischen Pausenhöfen und Schulgebäude, im Bereich der Turnhalle bilden sie die Überdachung für die Fahrräder.

Der Verwendung ökologischer Baustoffe und der Beachtung der „grauen“ Energie, des Lebenszyklus der Materialien und Konstruktionen, erhält im Rahmen des KGA (kommunaler Gebäudeausweis) verstärkte Aufmerksamkeit. Die gesamte Schule wird kontrolliert be- und entlüftet. Auf dem Dach des Klassentraktes ist eine großflächige PV-Anlage installiert. Die Heizung erfolgt über Fernwärme, der Heizenergiebedarf liegt bei 17 kWh/m2a, was Niedrigstenergie-Standard entspricht.

Die Volksschule Edlach wurde mit dem Staatspreis Architektur & Nachhaltigkeit ausgezeichnet.

Betonbänder längs der Nord- und Südfassaden verbinden Turnhalle und Aula und bilden gedeckte Übergänge.