Zentrale i+R Gruppe, Lauterach (AT)

Bei der Firmenzentrale des Bauunternehmens i+R standen innovative Energielösungen, ein hoher Anspruch an die Bauökologie sowie die Qualität des Raum- und Arbeitsklimas im Vordergrund. Der Neubau führt alle Unternehmen der Gruppe unter einem Dach zusammen und zeigt den firmentypischen Führungsstil mit flachen Hierarchien auch nach außen. Besonders wichtig war uns auch, das Gebäude zwischen firmeneigenem Baulogistikzentrum und Maschinenpark einzubetten und einen „Musterbau“ zu schaffen, der die Leistungsfähigkeit und Qualität des Unternehmens demonstriert. Die i+R Zentrale erhielt als erster Büroneubau in Österreich das renommierte LEED-Platin Zertifikat.

 

Urbaner Kontext

Mitten im Betriebsgebiet, auf einem von Bahntrasse, Bundesstraße und Landstraße umrahmten Grundstück, haben wir einen Ort der Repräsentation mit hoher Arbeitsplatzqualität für i+R geschaffen. Das Gebäude wurde auf dem nach Osten schmal zulaufenden Grundstück so positioniert, dass es von der vorbeiführenden Landesstraße wahrgenommen wird und süd-, ost- und nordseitig ein attraktiv gestalteter Parkplatz und Freiraum mit grünen Inseln entstehen konnte.

Auftraggeber: i+R Gruppe
Standort: A-6923 Lauterach, J.Schertler-Str. 1
Architektur: Dietrich | Untertrifaller
Projektleitung: Heiner Walker
Bauzeit: 2011-2012
Fläche: 3.300 m² (ohne Tiefgarage)
Ökologie: Leed Platin Zertifizierung
Kapazität: 150 Arbeitsplätze

Auszeichnungen: 2013 BTV-Bauherrenpreis, 2013 Leed Platin

Partner
Statik: Mader & Flatz, Bregenz / Haustechnik: Team GMI, Dornbirn / Elektro: Lingg, Schoppernau / Bauphysik: Künz, Hard / Landschaft: Rotzler Krebs, Winterthur /// Fotos: © Bruno Klomfar

Flexible, autarke Konstruktion

RG

Firmeneigene Produkte wie Beton für die statischen Bauteile (teils kernaktiviert), Holz für die ausfachende Konstruktion und Fenster aus Holz zeichnen den Bau aus. Das einzige starre Raumelement ist der Gebäudekern mit den Sanitäreinheiten, Teeküchen, Kopierräumen sowie Technikschächten und Flucht-Stiegenhaus.

 

Für die Büros haben wir ein Achsraster von 1,6 Meter gewählt. Die zwei- bis sechsachsigen Einheiten können alle Raumanforderungen abdecken. Fußbodenheizungsfelder, Fensterelemente und Jalousien sind in diesem Achsraster eingetaktet. Alle Zwischenwände – sowohl zwischen den Büros als auch gangseitig – sind installationsfrei, um eine flexible Anordnung zu ermöglichen.

 

Jedes Stockwerk besitzt einen eigenen Stromkreis, EDV-Verkabelung und Haustechnik wie Lüftung, Heizung, Kühlung, Wasser. Diese modulare Bauweise ermöglicht es, den Grundriss jederzeit umzugestalten und die einzelnen Geschosse getrennt zu nutzen.

Schnitt

Offene Organisation um ein Atrium

Offenheit als Charakter des Gebäudes zeigt sich gleich im Eingangsbereich: Der innere zentrale, längliche Kern, der das Fluchtstiegenhaus und die Nebenräume birgt, ist von räumlicher Großzügigkeit und im besten Sinne bodenständiger Eleganz. Dieses „große“ Atrium, das bis in das vierte Obergeschoss reicht, wiederholt sich im östlichen Teil des Gebäudes durch das „kleine“, jeweils über zwei Geschosse offene Atrium. Hier durchbrechen „Inseln“ die ansonsten sehr klare und logische Raumstruktur, um die spontane Kommunikation zu fördern. Versetzte Lufträume mit Brücken und Stegen sorgen für Transparenz und gute Orientierung.

 

Zwei skulptural wirkende Treppen führen nach oben. An den Schmalseiten sind verglaste Besprechungszimmer angeordnet, an den Längsseiten die einzelnen Büros für 150 Mitarbeiter. Die Zwischenwände sind frei von Installationen, die Geschosse in sich autark. Damit ist langfristig eine flexible Nutzung des Bauwerks gewährleistet und ein wesentlicher Aspekt des hohen Anspruchs auf Nachhaltigkeit erfüllt.

Transparentes Interior Design

Heimische Eiche an den Bürowänden und ein Teppichboden aus recycelten Fischernetzen sind nur ein Beispiel dafür, wie sich Ökologie und elegante Ästhetik in Einklang bringen lassen. Für Transparenz in den einzelnen Räumen und Arbeitsbereichen des Unternehmens sorgen großzügige Verglasungen. Die gangseitigen Oberlichten auf beiden Bürozeilen sowie die Sichtfenster bei den Bürotüren geben den Blick auch bei verschlossener Türe frei. Die verglasten stirnseitigen Besprechungsräume können bei Bedarf mit einem Sichtschutz versehen werden.

Markante Fassade

Zwei Betonrahmen fassen die von Fensterbändern durchzogenen, in Holzkonstruktion ausgeführten Längsseiten und den transparenten vertikalen Schlitz an beiden Schmalseiten. Die Kombination der horizontal brettgeschalten Sichtbetonwände mit den dunkel lasierten Holzbrüstungen, dem nach Süden vorgesetzten Holzraster der markanten Sonnenblende und den an den Schmalseiten auskragenden Würfeln der Balkonbrüstungen erzeugt eine markante, robust wirkende Setzung im uneinheitlichen Umfeld.

Nachhaltigkeit

Die i+R Zentrale erhielt als erster Büroneubau in Österreich das renommierte LEED-Platin Zertifikat. Für den Bau wurden nachwachsende, regionale und recycelbare Rohstoffe und firmeneigene Produkte – Beton, Holz und Holzfenster – verwendet und höchstmögliche bau- und humanökologische Standards berücksichtigt.

 

Das Holzraster an der Südfassade verhindert im Sommer die direkte Sonneneinstrahlung und reduziert damit den Energiebedarf für die Kühlung um 70%. Die Innenräume erhalten ein Maximum an natürlichem Licht, wodurch die künstliche Beleuchtung auf weniger als 50 % reduziert wird. Dank seiner hocheffizienten Gebäudetechnik und der innovativen Energietechnik unterschreitet das Gebäude den Passivhausstandard um ein Drittel bei einem Heizenergiebedarf von nur 9,7 kWh/m2a. Die Heizung und Kühlung des Gebäudes nutzt Erdwärme. Den Strom für die Wärmepumpe liefert eine Photovoltaikanlage, die 70% des gesamten Gebäude-Energiebedarfs abdeckt.

 

Dieses Bürohaus ist eine Ode an das kluge Bauen: von kraftvoller Architektur, im Einklang mit der Philosophie der Bauherrschaft und funktional ebenso wohlüberlegt wie im Hinblick auf die Schonung der Ressourcen.