Sporthalle Alice Milliat, Lyon (FR)

Die multifunktionale Sporthalle bildet ein Quartierszentrum im Herzen von Bon Lait, einem Stadtentwicklungsgebiet in Lyon. Das Raumprogramm besteht aus einer Dreifachsporthalle für verschiedene Ballsportarten, einer Trainingshalle für Kampfsport, Tanz und Gymnastik sowie einem Versammlungsraum und Büros. Die Sporthalle steht sowohl den Schulen als auch den Vereinen und Hobbysportlern der Umgebung zur Verfügung und ist die ganze Woche hindurch ein Treffpunkt für die lokale Bevölkerung.

 

Urbaner Kontext

In der dicht und abwechslungsreich bebauten Umgebung hebt sich die Sporthalle mit ihrer Fassade aus vorvergrauten Lärchenholzleisten und großzügigen Verglasungen klar vom Umfeld ab. Sie öffnet sich mit einer urbanen Loggia zum Platz und betont so ihre Funktion als allen zur Verfügung stehende kommunale Einrichtung. Die Silhouette des Daches verweist mit ihren 18 Sheds auf die städtische Skyline und auch auf die industrielle Geschichte des Standorts. Die Sporthalle belegt eindrucksvoll, wie gut Holzarchitektur im urbanen Kontext funktioniert.

Auftraggeber: Ville de Lyon
Standort: F-Lyon, Place du Traité de Rome
Architektur: Dietrich | Untertrifaller mit Têkhnê Architectes
Projektleitung: Ulrike Bale-Gabriel
Wettbewerb: 2013
Bauzeit: 2014-2016
Fläche: 2.700 m²
Kapazität: 200 SchülerInnen

Auszeichnung: Prix National de la Construction Bois 2017 (Französischer Holzbaupreis)

Planung
Statik Holz: Arborescence, Lyon / Statik Beton: DPI, Villeurbanne / Elektro, Haustechnik: Astrius, Lyon / Bauphysik: Eegenie, Lyon / Kosten: Denizou, Villeurbanne

Ausführung
Baumeister: B.L.B Constructions, Genay (FR) / Zimmerer: Thalmann, Lyon (FR) / Glasfassade: Blanchet Group, Montbrison (FR) / Metallbau: Fontbonne, Décines-Charpieu (FR) / Innenausbau Holz: Guillon, Les Roches-de-Condrieu (FR) / Heizung-Sanitär: CEME Cerniaut, Corbas (FR) / Elektrik: FPEL, Vénissieux (FR) / Sportgeräte: Marty Sports, Saint-Clément-de-la-Place (FR)

Fotos: © Julien Lanoo

Schlichte Form mit komplexem Innenleben

Die äußere Form der auf den ersten Blick einfachen Kiste täuscht. Im Inneren der neun Meter hohen Ballsporthalle besticht die Shed-Decke, die viel natürliches Licht einströmen lässt. Die Halle ist in drei Segmente unterteilt, die gleichzeitig bespielt werden können. Im Obergeschoß liegt die Kampfsporthalle, die auch für Tanzsport und Gymnastik genutzt werden kann. Über ein Fensterband und ein Oberlicht wird sie gut mit Tageslicht versorgt. Im Gebäuderückgrat aus Stahlbeton sind die interne Erschließung und die Nebenräume untergebracht.

Schnitte
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Interior Design mit interessanter Deckenkonstruktion

Die Dreifach-Sporthalle beeindruckt im Inneren durch eine Deckenkonstruktion mit schachbrettartig angeordneten pyramidenförmigen Lichtschächten, die das eindringende Tageslicht gleichmäßig im Raum verteilen. Die Wandbekleidung aus senkrechten Holzlamellen setzt die Profile der Deckenuntersichten fort und sorgt ebenso für gute Akustik wie für eine ansprechende Optik.

 

 

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Isometrie - Die Sporthalle im rechten Gebäudeteil. Links liegen die Dojo-Halle (hinten) und die Büros (vorn). Der Höhenversprung macht das Raumprogramm außen ablesbar.
Die Zuschauerränge sind als dreireihige Beton-Sitzstufen in das Gebäuderückgrat geschoben.
Während das Holz in den Hallen für eine warme Atmosphäre sorgt, sind die Treppenhäuser und Nebenräume pragmatisch in Sichtbeton ausgeführt.

Nachhaltige Konstruktion mit Holz und Stroh

Das schlichte Gebäude wurde in Holzskelettbauweise mit Strohdämmung errichtet. Hohlkästen als Außen- und Trennwand-Elemente fachen das Haupttragwerk aus – statisch wie energetisch eine ideale Lösung. Die Hohlkästen bestehen aus beidseitig beplankten Rahmen mit zwei oder drei Kammern, die mit passgenauen Strohballen gefüllt wurden. Darauf folgt der Fassadenaufbau sowie abschließend die Verkleidung aus vorvergrauten Lärchenholz-Brettern.

Nicht nur durch die Verwendung nachwachsender Rohstoffe wie Holz und Stroh verdient das Bauwerk das Prädikat „nachhaltig“. Es ist vor allem das Zusammenspiel von ökologischem Material, ökonomischer Konstruktion, unkomplizierter Haustechnik und Gebäudekomfort, der hier mit guter Tageslichtausnutzung, natürlicher Lüftung und sensorisch ansprechenden Oberflächen erreicht wurde.

Passgenaue Strohballen füllen die Kammern der Hohlkastenelemente.
BS-Holzbinder als „Balken auf zwei Stützen“ in Reihung bilden die Konstruktion.

Historie - Vom Industrieareal zum Wohnquartier

Die französische Stadt Lyon hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Aus der einstigen Industriehochburg ist eine moderne City geworden, die vor allem durch die Ansiedelung zukunftsträchtiger Technologie-Branchen zu neuem Glanz gefunden hat. Damit einher ging auch ein verstärktes Engagement der Stadtplanung. So wurden verschiedene ehemalige Industrieareale zu Wohnquartieren umgewandelt. Im Zuge dessen erhielten sie städtische Infrastrukturen wie Einkaufszentren, Versammlungsräume, Kinderhorte oder – wie im neuen ZAC-Stadtentwicklungsquartier ‘Bon Lait’ im Stadtviertel Gerland – das multifunktionale Sportzentrum. Die Sporthalle setzt quasi den Schlussstein in diesem innerhalb des letzten Jahrzehnts völlig umgestalteten Areals.