Kunsthochschule ENSAD, Nancy (FR)

Der Gebäudekomplex der Kunsthochschule ENSAD bildet den nördlichen Abschluss des Campus ARTEM (ARt, TEchnologie, Management), dem größten Universitätsneubau Frankreichs. Die Kunsthochschule beherbergt alle für die drei Studienrichtungen Kunst, Design und Kommunikation erforderlichen Räumlichkeiten wie Ateliers, Werkstätten und Lehrsäle inklusive Administration sowie großzügige Ausstellungsflächen. Der viergeschossige langgestreckte Quader „Vauban“ an der Nordwestseite und der fünfgeschossige kristallin facettierte „Signalbau“ an der Südostseite umschließen mit den beiden gläsernen Verbindungsbauten einen Innenhof. Dahinter öffnet sich der neu angelegte Park.

 

Urbaner Kontext

Den Masterplan für den Campus ARTEM auf dem Gelände der ehemaligen Molitor­-Kasernen hat Nicolas Michelin erstellt: Eine 300 Meter lange Galerie aus Stahl und Glas wirkt als Schnittstelle zur Stadt und verbindet die einzelnen Universitäten, die laut Masterplan jeweils aus zwei Haupttrakten bestehen sollen. Einer davon, genannt „maison signe“ fungiert mit geneigtem Dach als ikonisches, adressbildendes Hauszeichen. Mit der Kombination aus kleinteilig strukturierter Gebäudezeile und verbindender Großform reagiert Michelin auf den städtebaulichen Maßstab – das Gegenüber sind für Nancy typische, schmälere, zwei- bis viergeschossige Stadthäuser. Unsere im Herbst 2016 fertiggestellte ENSAD interpretiert die Vorgaben des Masterplans auf eigenständige Weise. Im Gegensatz zu den anderen, recht farbenfrohen Häusern haben wir eine anthrazitfarbene Gebäudeverkleidung gewählt, die gut mit den Schieferdächern der benachbarten Kasernen harmoniert.

Auftraggeber: Communauté Grand Nancy (Solorem)
Standort: F-54000 Nancy, 84 rue Blandan
Architektur: Dietrich | Untertrifaller mit Christian Zoméno
Projektleitung: Andreas Laimer
Wettbewerb: 2010
Bauzeit: 2013-2016
Fläche: 8.590 m²
Kapazität: 320 StudentInnen
Programm: Hörsäle, Werkstätten, Büros und Ausstellungsräume

Partner
Statik, Haustechnik, Elektro, Bauphysik: Artelia, Schiltigheim / Kosten: Bessère, Toul / Akustik: Venathec, Vandoevre-lès-Nancy /// Fotos: © Bruno Klomfar

Klare Organisation

 

Die klare räumliche Organisation wird bereits beim Betreten des Gebäudes deutlich.

Im dunklen Signalbau befinden sich Ausstellungsflächen, Büros der Verwaltung und ein großzügiger Oberlichtsaal im Dachgeschoss.

Im niedrigeren Gebäude Vauban sind die Werkstätten und Ateliers untergebracht.

Der transparente Baukörper, der das Signalgebäude und das Vauban-Gebäude verbindet, beherbergt eine zweistöckige Eingangshalle mit einer Cafeteria im Obergeschoss.

Ein teilweise vom Boden abgehobenes Hörsaalgebäude schließt den Innenhof an der Rückseite ab und leitet zum anschließenden Park über.

Trotz ihrer äußerlichen Verschiedenartigkeit ist die Tragstruktur der beiden Gebäude ident:
Um einen Stahlbetonkern aus Sichtbeton, der alle vertikalen Erschließungen, die Sanitärräume und die Haustechnik aufnimmt, liegen frei überspannt die mit Gipskartonwänden unterteilten Werkstattplateaus.

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Schnitt Signalbau

Diametrales Design

Die beiden Baukörper unterscheiden sich äußerlich grundsätzlich voneinander: Das mehrfach abgekantete Volumen des Signalgebäudes ist vollständig in eine Lochblech-Fassade aus braun-schwarzem, eloxiertem Aluminium eingehüllt. Die Fenster sind zur Straße hin geschoßweise leicht versetzt und verändern zum Park hin allmählich ihre Größe. Diese unregelmäßige Anordnung ist einerseits Resultat der verschiedenen Raumhöhen, folgt aber auch der Logik der Verzerrung des Hauses zu einer kristallinen Form.
Die Fassade des quaderförmigen, langgestreckten Vauban-Baus ist mit schieferfarbenen, glasfaserverstärkten Zementfaserplatten verkleidet und zeigt die regelmäßige Struktur großformatiger, linear angeordneter Fenster. Die erkerartig auskragenden Fensterkästen verleihen der Fassade Plastizität. Bunte Vorhänge setzen auf der Innenhofseite attraktive Akzente.

Stimulierende Innengestaltung

 

Von außen sehr kompakt wirkend, überrascht die Kunsthochschule im Inneren durch Weitläufigkeit. Rohe Materialien – Sichtbeton, weiße Flächen, Stahl, Holz, Streckmetall oder Holzwolleplatten zur Schallabsorption – in gut belichteten Räumen bilden einen robusten und stimulierenden Hintergrund für das künstlerische Arbeiten.

Für abwechslungsreiche Raumerlebnisse sorgen die unterschiedlichen Geschoßhöhen in beiden Gebäuden. Sie reichen von dreieinhalb bis vier Meter im Ateliertrakt, wo sich das Fotostudio mit einem Luftraum sogar über zwei Geschosse erstreckt, bis zu sechs Meter im Oberlichtsaal im Dachgeschoß der „maison-signe“.

Der großzügige Oberlichtsaal im Vauban-Gebäude
Die Cafeteria im Obergeschoss des Verbindungstraktes
Das Auditorium im parkseitigen Hörsaalgebäude
Die hofseitigen Erschließungsgänge haben wir bewusst nicht als „Gänge“ oder enge “Schläuche“ konzipiert, sondern als lichtdurchflutete, helle Aufenthaltsräume, die auch für Ausstellungen adaptiert werden können. Sie öffnen sich mit großen Fenstern zum Innenhof, deren tiefe Laibungen aus Brettschichtholz drinnen attraktive Sitznischen bilden. Bunte Filzvorhänge setzen nicht nur farbige Akzente, sondern verbessern auch die Akustik.