Haus I, Schwarzenberg (AT)

Der scheunenartige Baukörper sitzt als ungegliederter Solitär autonom in der Bergwiese. Typologisch entsprechen Situierung und Verhältnis zur Landschaft jener von Vorsäßhütten, die wie hingewürfelt in der Almweide stehen. Landwirtschaftlich genutzte Fläche und Hauswand stoßen auch hier unmittelbar aneinander. Weder Vorgarten oder Zaun noch Nebengebäude relativieren die klare Setzung.

 

Verständnis für den Ort

Bauherren und Architekten bewiesen mit Ihrer Haltung Umsicht und Verständnis für den Ort und den Umgang mit der Tradition. Das gemeinsame Ansinnen war es, das traditionelle Bregenzer Wälderhaus neu zu interpretieren und das Haus in Bezug mit seinem direkten Umfeld zu setzen – die Hanglage mit weiter Rundumsicht, die Einbettung des riesigen, alten Nußbaumes, die Zwiesprache mit dem danebenliegenden Wälderhaus.

Auftraggeber: Privat
Standort: A-6867 Schwarzenberg
Architektur: Dietrich | Untertrifaller
Projektleitung: Marina Hämmerle
Bauzeit: 1999
Fläche: 270 m²

Partner
Statik: Mader & Flatz, Bregenz / Fotos: © Ignacio Martinez

Organisation auf drei Ebenen

Wie eine Scheune gräbt sich das Haus halb in den Hang. Das halbe Kellergeschoss ragt heraus und bietet Platz für Musikzimmer und Serviceräume. Garage und Schlafzimmer liegen im Erdgeschoss, während sich unter dem Dach ein großer, loftartiger Wohnraum mit Küche, Essbereich und überdachter Terrasse erstreckt. Die Umkehrung der traditionellen Hausaufteilung und die Anordnung der Wohnebene im Obergeschoss verstärkt die Verbindung zur Umgebung, da die Loggia unter dem Dach eine herrliche Rundumsicht in die Gebirgslandschaft bietet.

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Design mit Glas und Holz

Im Inneren kontrastieren dunkle Nussbaumböden mit weißen Wänden und hellem Fichtenfurnier. Die Wände und Decken der Flure und des Wohnbereichs sind vollständig mit Holz verkleidet.

Unser Entwurf nutzt die bevorzugte Lage an der Kante eines Plateaus mit einem dreiseitig verglasten Wohngeschoss unter dem Dach. Der hohe, komplett mit Weißtanne verkleidete Raum wird nur von halbhohen Elementen wie der großen Kücheninsel gegliedert, die den Essbereich am Fenster abgrenzt.

Ein flach geneigtes Satteldach zieht sich schützend bis über die vorgelagerte Terrasse. Im hinteren Teil des Hauses, über dem schopfartigen Eingang, definieren die aussteifenden drei Mauerscheiben einen intimeren Wohnraum, der mit einer Schiebefensterwand nach Nordwesten schaut.

Das Erdgeschoss mit überdecktem Eingangsbereich, drei Schlafzimmern und Garage wirkt verschlossener. Die Balkonbrüstung vor dem Schlafzimmer ist höhenverstellbar und kann daher auch als Vertikaljalousie genutzt werden.

 

Die Fassade ist komplett mit schmalen, horizontal angeschraubten Lärchenleisten verkleidet. Ihre geringen Dimensionen, der knappe Abstand und ein bündiger Abschluss an den Hauskanten lassen sie flächig als Textur, nicht als Lattenrost erscheinen. Hinweise auf ein tragendes System oder die darunterliegenden Schichten sind nicht erkennbar.

Konstruktion aus vorgefertigten Holzelementen

In der Tradition des Bregenzerwalds und in der direkten Nachbarschaft eines alten Bauernhauses lag eine Holzkonstruktion auf der Hand. Nur das Untergeschoss, das zum Teil in den Hang geschoben ist, wurde in Beton ausgeführt. Erdgeschoss und Obergeschoss sind darauf als Holzelementbau errichtet, mit drei Betonscheiben zur Aussteifung.

 

Das zeltartige Dach überspannt stützenfrei und ohne Zugbänder den gesamten Wohnraum (lichte Spannweite 6,45 m). Die auf das Konstruktionsraster von neunzig Zentimetern abgestimmten, vorgefertigten, wärmegedämmten Holzelemente sind seitlich mit UNP-Profilen verstärkt und vor Ort zusammengeschweißt. Die Außenwände wurden in Elementen angeliefert und auf beiden Seiten mit Grobspanplatte beplankt. Die Decke über dem Erdgeschoss besteht aus vorgefertigten Brettstapelelementen, die vor Ort zusammengefügt wurden. Rohbaumontagezeit drei Tage.

 

Ökologie

Die Wahl der Konstruktion, der Materialien und des Heizsystems zeugt vom ökologischen Bekenntnis der Bauherren. Das In Holzelementbauweise errichtete Haus ist außen wie innen mit heimischem Holz bekleidet. Gemäß dem Wunsch der Bauherren, ein Haus ohne konventionelle Heizkörper mit einem geringen Energieverbrauch zu schaffen, wählten wir ein Hypokaustensystem. Ein Kanalsystem in Boden und Wand leitet die Abwärme des zentralen Holzofens im Untergeschoss bis ins Obergeschoss, wo sie einen gemauerten Ofen versorgt. Durch ein Mäandersystem in den Betonscheiben im Erdgeschoss zirkuliert die heiße Luft und wird über Bodenkanäle in die nächste Wandscheibe geführt. Eine Brauchwassersolaranlage am Dach komplettiert den umweltfreundlichen Ansatz.