Haus der Musik, Innsbruck (AT)

An einem der prominentesten Plätze Innsbrucks dient dieses Projekt dem offenen Kulturaustausch über alle Altersgruppen und Genres hinweg. Verbindendes Element ist die Musik.
Das komplexe Raumprogramm beherbergt mehrere Musikinstitutionen, Konzertsäle, zahlreiche Nebenräume, Verwaltung, Gastronomie, eine nationale Musikbibliothek und Außenterrassen mit Blick auf Innsbruck und die Alpen. Das neue Haus der Musik verschafft der Stadt ein zukunftsfähiges Zentrum für Musik, Theater und Kultur-Events aller Art und etabliert Innsbruck auch international als „Musikstadt“. Der Direktor des Landestheaters Johannes Reitmeier erklärte es zu einem “einzigartigen Projekt, das seinesgleichen sucht”.

 

 

Urbaner Kontext

Der strenge Kubus ist durch Lichthöfe und eingeschnittene Loggien, Terrassen und Rücksprünge plastisch gegliedert und fügt sich feinfühlig und doch spannungsvoll in das Stadtgefüge ein. Die Architektur erweist den historischen Nachbarbauten Respekt und schafft gleichzeitig ein zeitgemäßes, kommunikatives, demokratisches Gebäude. Durch die transparente Sockelzone, das zum Platz orientierte Foyer und den offenen Bühnenbereich des Großen Saales im Obergeschoss verschwimmen die Grenzen zwischen Innen und Außen. Der große Konzertsaal mit seiner Glasfassade wird zur Freiluftbühne und der Eingangsbereich zum Auditorium.

Auftraggeber: Innsbrucker Immobilien GmbH & Co KG
Standort: A-6020 Innsbruck, Universitätsstraße 1
Architektur: ARGE Strolz – Dietrich | Untertrifaller
Projektleitung: Peter Nussbaumer, Andreas Lehner (DUA); Johannes Alge, Ferdinand Reiter (Strolz)
Wettbewerb: 2014, 1. Preis (Erich Strolz)
Bauzeit: 2015-2018
Fläche: 7.900 m²
Programm: Großer Saal für 510 Personen, Kleiner Saal für 100 Personen, Verwaltungs- und Übungsräume, Bibliothek, Archiv, Gastronomie / Kammerspiele für 220 Personen, Bühnenturm, Black Box, Garderoben und Werkstätten / Universität, Mozarteum, Landeskonservatorium: Ensemble-, Büro-, Unterrichts- und Seminarräume, Veranstaltungssaal für 120 Personen, Bibliothek

Auszeichnung: Mies van der Rohe Award (Shortlist)

Partner
Bauleitung: IIG, Innsbruck / Statik: Toms, Wien / Haustechnik: Mikfey, Wien / Elektro: Brugger, Innsbruck / Bauphysik: Spektrum, Dornbirn / Akustik: Müller-BBM, Planegg / Bühnentechnik: Kottke, Bayreuth /// Fotos: © Roland Halbe

Schlüssige Organisation

Der multifunktionale Komplex, der auch als Arbeits- und Forschungsstätte dient, beherbergt die Kammerspiele, zwei Konzertsäle, das Landeskonservatorium, das Institut für Musikwissenschaft und das Mozarteum. Zusätzlich stehen Räume für das Tiroler Symphonieorchester, drei Landesmusikvereine, die Festwochen der Alten Musik und Gastronomie bereit.

Das umfangreiche Raumprogramm mit 386 Räumen ist schlüssig organisiert. Während sich die öffentlichen Konzert- und Theatersäle mit den dazugehörigen Foyers in den unteren Geschossen befinden, stapeln sich Bibliothek, Verwaltungs-, Seminar- und Probenräume in den oberen Etagen. Die beiden öffentlich zugänglichen Dachterrassen bieten einen großartigen Blick auf die Stadt. Veranstaltungsbesucher betreten das Gebäude vom großen, zur Hofburg orientierten Vorplatz auf der Westseite.

Ein nahezu quadratischer Grundriss ermöglicht eine einfache und günstige Bauweise. Stützen und Decken aus Stahlbeton bilden das Haupttragwerk. Der vertikale Erschließungsturm ist als Stahlbetonkörper in seiner gesamten Höhe innen sichtbar und dient auch zur Aussteifung des Hauses.

E1 mit Großem und Kleinen Saal
E-1 mit Kammerspielen
E5 mit Musikinstituten, Bibliothek und Dachterrasse
Das dreistöckige Atrium lädt mit monumentalen Treppen und großzügigen Podesten zu sozialer Interaktion ein. Die lichtdurchflutete Panoramatreppe verbindet Foyers und Aufführungsstätten über drei Ebenen.
Bibliothek, Verwaltungs-, Seminar- und Probenräume in den oberen Etagen werden auf der Ostseite durch ein eigenes Treppenhaus erschlossen.
Attraktive Durch-, Aus- und Einblicke verknüpfen das Haus mit dem öffentlichen Raum und fördern die Kommunikation zwischen Besuchern und Nutzern.

Kontrastreiches Design

Die Fassade ist mit dunklen, vertikal strukturierten Keramikplatten verkleidet. In den Glasflächen des dreistöckigen transparenten Foyers und des Großen Saals spiegeln sich die umliegenden historischen Gebäude und die drei als Naturdenkmäler geschützten Bäume mit dem Leopoldbrunnen auf dem Vorplatz. Vor den Sälen ist die Fassade geschlossen, während vor den Büroräumen geöffnete, maximal 45 Grad drehbare Lamellen liegen. Der Effekt ergibt eine lebendige Oberfläche, unterstützt vom je nach Wetter hell bis dunkel changierenden Farbenspiel der Glasur. Die freie Anordnung und der Glanz der verschiedenen opaken Profile reflektiert das Sonnenlicht als komplexes Linienmuster in irisierendem Schwarz und Braun.
Innen setzt sich das Spiel mit transparenten und geschlossenen Flächen und Hell-Dunkel-Kontrasten fort – samtig schwarze Wände in den Kammerspielen, helle, warme Holztäfelung in den Konzertsälen. Durch flexible Bestuhlung und die höhenverstellbare Bühne ist der Große Saal nicht nur für Konzerte nutzbar, sondern für Veranstaltungen aller Art - wie ein lebendiges Wohnzimmer im Herzen der Stadt.

 

Akustik

Das akustische Konzept haben wir gemeinsam mit Müller-BBM, München entwickelt. Ergebnis ist eine hervorragende Akustik, aufbauend auf einer massiven Box-in-Box-Bauweise für die Konzertsäle. Dazu wurde ein zweiter Raum als Stahlkonstruktion in den Saal eingestellt. Zur vollständigen Schallentkoppelung vom Stahlbeton-Rohbau lagert diese Konstruktion auf Polyurethan-Schaum und ist innen mit massivem Ziegelwerk ausgefacht. Beim Fußboden wurde schwerer, schwimmender Estrich verlegt, die Decken und die äußere Raumschale bestehen aus Stahlbeton-Fertigteilen. Die Vorsatzschalen aus Kalksandstein wurden so wie die Decke mit Holzelementen verkleidet, deren Struktur für ein optimales Hörerlebnis sorgt. Für den Großen Saal mit einem raumakustisch wirksamen Volumen von ca. V = 4.000 m3 wird so eine hervorragende Nachhallzeit von ca. 1,8 Sekunden im mittleren Frequenzbereich (500 und 1000 Hz) für eine Sitzplatzanzahl von 500 Personen bei Solistenkonzerten erreicht. In den Übungsräumen verlaufen die Trennwände schräg, um Flatterechos zu vermeiden.

Die samtig schwarzen Wände verleihen den Kammerspielen einen noch intimeren Charakter.

Historie

Eine Machbarkeitsstudie untersuchte 2008 den Wunsch vieler Tiroler Musik- und Theaterinstitutionen nach mehr und eventuell gemeinsamen Räumlichkeiten. Sie zeigte, dass das alte Stadtsaal-Haus diese Anforderungen auch durch einen neuerlichen Umbau nicht mehr erfüllen konnte. Nach dem Commitment von insgesamt 12 Bundes-, Landes- und Stadtinstitutionen, in einem neuen Haus der Musik unter ein gemeinsames Dach zu ziehen, wurde schließlich im März 2014 ein offener, zweistufiger Realisierungs-Wettbewerb im Oberschwellenbereich für den Neubau ausgelobt. Die Ausschreibung definierte das Projekt „als offener Begegnungsraum für unterschiedliche Nutzergruppen. Vernetzung und gegenseitige künstlerische Inspiration sollen gefördert, die Verbindung von Moderne und Tradition ermöglicht werden.”

Der vertikale Erschließungsturm ist als Stahlbetonkörper in seiner gesamten Höhe innen sichtbar und dient auch zur Aussteifung des Hauses.