Schule & Mehrzweckhalle, Klaus (AT)

Die neue Hauptschule und der Mehrzwecksaal wurden in zwei Phasen im Abstand von zehn Jahren errichtet. Das Raumkonzept des L-förmigen Gebäudes umfasst drei Hauptfunktionen: Schule, Sporthalle und Bibliothek. Die 2003 fertiggestellte Schule wurde in der Rekordzeit von 18 Monaten in Holzbauweise errichtet und erfüllt als erstes Schulgebäude Österreichs die strengen Passivhausrichtlinien. Zehn Jahre später wurde die stark sanierungsbedürftige Turnhalle durch eine neue Mehrzweckhalle ersetzt. Präzise Planung, die kompakte Organisation des Programms und ein hoher Grad an Vorfertigung ermöglichten eine kurze Bauzeit und optimierte Kosten, ohne Abstriche bei Design und Qualität zu machen.

 

Urbaner Kontext

Die Schule liegt direkt an der Landesstraße zwischen dem Ortseingang von Klaus und dem angrenzenden Industriegebiet. An diesem exponierten Platz braucht es eine kräftige und klare Baustruktur, die eine Adresse bildet und einen markanten Anker setzt. Das L-förmige Schulgebäude ist leicht von der Straße abgerückt und definiert mit seiner breiten Südfassade den Vorplatz. Dem Verlauf der Straße folgend, ist die Halle parallel zur Schule nach vorne versetzt. Ein zweigeschossiger verglaster Querriegel verbindet die Schule mit der Halle und schafft einen vom Verkehr geschützten Platz, von dem aus man alle Funktionen erreicht.

Auftraggeber: Gemeinde Klaus
Standort: A-6833 Klaus, Treietstraße 17
Architektur: Dietrich | Untertrifaller
Projektleitung: Peter Nußbaumer, Isabella Pfeiffer
Wettbewerb: 2001
Bauzeit: 2013-2014 (Bauphase 2/Halle) / 2002-2003 (Bauphase 1/Schule)
Fläche: 6.940 m² (2.440 m² Halle)
Ökologie: Passivhaus
Kapazität: 250 SchülerInnen / 600 BesucherInnen

Auszeichnungen: Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit / Holzbaupreis Vorarlberg / Energy Globe Vorarlberg

Partner
Bauleitung: Gmeiner, Schwarzach / Statik Beton: gbd, Dornbirn; Mader & Flatz, Bregenz / Statik Holz: Pock, Spittal; Merz Kley Partner, Dornbirn / Haustechnik: Team GMI, Dornbirn; Synergy, Dornbirn / Elektro: Hecht, Rankweil / Bauphysik: Team GMI, Schaan; Weithas, Hard / Akustik: Brüstle, Dornbirn / Landschaft: Rotzler Krebs, Winterthur /// Fotos: © Bruno Klomfar

Dreiteilige Organisation

Im Schulgebäude reihen sich die Stammklassen entlang der östlichen und die Fachklassen entlang der westlichen Längsfassade. Dazwischen verlaufen drei parallele Nutzungszonen: in der Mitte ein breiter Gang, rechts ein gebäudehohes Atrium, von den Zugangsbrücken zu den Schulzimmern rhythmisch unterbrochen, und links die Nebenräume. Diese einfache, funktionale Struktur erklärt sich zum einen aus der Logik der Ökonomie, zum anderen aus der durchdachten Tragkonstruktion vorgefertigter Holzelemente.

Im langgestreckten, aufgeständerten Verbindungstrakt zwischen Schule und Halle liegen die zweigeschossige Aula, der gedeckte Eingangs- und Pausenbereich sowie im Obergeschoß die Bibliothek der Gemeinden Klaus, Fraxern und Weiler.

In der Halle schaffen die zweigeschossige Sporthalle und der dreigeschossige Mehrzweckbereich auch Räume für Tagesbetreuung, Vereine und Veranstaltungen. Der fünf Meter hohe Gymnastikraum kann auch für kleinere Veranstaltungen genutzt werden. Darüber befindet sich der Proberaum für den Musikverein. Im südlichen Teil des Gebäudes liegt rund drei Meter unter dem Geländeniveau die große Doppelturnhalle. Nach Westen hin öffnet ein langes Fensterband die Sporthalle zum Vorplatz der Schule und ermöglicht eine gute Sicht auf das tieferliegende Spielgeschehen. Das großzügige Foyer im Erdgeschoss und die Galerie im Obergeschoss bieten Einblick sowohl in die Sporthalle und den Gymnastikraum als auch in das Probelokal.

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Schnitt

Richtungsweisendes Design

Im gebäudehohen Atrium führen Zugangsbrücken zu den Klassenzimmern und sorgen für eine kommunikative Erschließung.

Die Erschließungsflächen in der Mittelzone werden von den Oberlichtern und den hohen Garderobekästen zwischen den Zugangsstegen in kleinere Raumzonen gegliedert, sodass der lange Korridor in den Pausen zum abwechslungsreichen Begegnungsort wird. Die gläsernen Brüstungen der Zugangsstege stärken die Transparenz dieses Bereichs und beleben mit vielfältigen Ausblicken den Schulalltag.

 

Geölte Birkenpaneele im Innenraum und Ahorntüren verbreiten eine wohnliche Atmosphäre. Die Klassenzimmer sind hell und profitieren auf der Ostseite von den Oberlichtern der Mittelzone.

Ein außenliegender Sonnenschutz verhindert Blendung und Aufheizung. Ein niedriges Band nach innen gesetzter Glasscheiben unter der hoch liegenden Fensterbank sorgt dafür, dass dennoch genug Aussicht bleibt.

Die attraktive Wasserfläche ist als Löschteich Teil eines spezifischen Brandschutzkonzeptes.

Raffinierter Sonnenschutz

Die dem öffentlichen Vorplatz zugewandte vollkommen verglaste Südfassade von Schule und Verbindungsbau ist mit einem gelochten Profilblech aus Kupfer verkleidet. Der Lochanteil von 30 Prozent bietet wie ein leichter Vorhang Sichtschutz von außen, ermöglicht aber von innen den Blick auf das Alpenpanorama und gewährt Sonnenschutz.

In der Dämmerung kehrt sich die Wirkung der Verkleidung um: Die hell erleuchteten Räume sind von außen einsehbar und der Blick nach draußen wird eingeschränkt.

Mehrzweckhalle mit markanter Decke

Herz des Mehrzweckbaus ist die dreigeschossige Sporthalle mit ihrer markanten Decke aus holzverkleideten Pyramidenstümpfen, in die 56 Oberlichten eingebaut sind. Die Pyramidenstümpfe mit vier Metern Seitenlänge und drei Metern Tiefe sind unterschiedlich geneigt und versetzt zueinander angeordnet. So nutzen sie optimal die direkte Lichteinstrahlung und versorgen das gesamte Spielfeld gleichmäßig mit Tageslicht. In die Grate der Deckenuntersicht sind zarte Stableuchten eingefügt, die am Abend für Helligkeit sorgen. Auf den variabel ausfahrbaren sieben Tribünen der Halle finden 300 Zuschauer leicht Platz.
Die Pyramidenstümpfe wurden im Werk vorgefertigt, ...
... mit Spezialtranportern auf die Baustelle gebracht ...
... und schließlich in das Deckenraster eingesetzt und montiert.

Reizvolle Fassadenstruktur

Der gesamte Baukörper hat eine Außenhaut aus keilverzinkten Weißtanne-Latten. Die zur Straße hin hermetisch geschlossene Südfassade ist reizvoll geometrisch in rechteckige Felder mit variierenden Lattenabständen gegliedert, durch Abtropfleisten aus Aluminium säuberlich getrennt. Dagegen hängt vor der gläsernen Nordfassade ein "Vorhang" aus hölzernen Lamellen. Nach Osten und Westen ist die Fassade fugenlos ausgeführt, aufgelockert mit großflächigen Fenstern und Glastüren.

Das großzügige Foyer im Erdgeschoss und die Galerie im Obergeschoss bieten Einblick sowohl in die Sporthalle und den Gymnastikraum als auch in das Probelokal.

Ressourcenschonende Konstruktion

Die gesamte Konstruktion der Schule oberhalb des Kellers wurde hochgedämmt in Holz-Leichtbauweise nach Passivhausrichtlinien ausgeführt, lediglich die aussteifenden Treppenkerne sind aus Stahlbeton. Die Vorfertigung der Hohlkastenelemente im Werk, die rasche Montage, der Verzicht auf aufwändige Pfahlgründungen und der Entfall von Austrocknungszeiten ermöglichten die Einhaltung des straffen Zeitplans von 18 Monaten.

Auch die neue Mehrzweckhalle ist – bis auf den Erschließungskern und die erdberührenden Bauteile – ein Holzbau auf höchstem ökologischen Niveau in Niedrigenergiestandard. Für das Tragwerk kamen dabei Brettschichtholz-Träger zum Einsatz, und auch die Bekleidungen der Fassade bestehen aus Holz oder Holzwerkstoffplatten. Angelegt ist die Halle rund um einen für die Aussteifung des Gebäudes notwendigen Kern aus Stahlbeton, in dem die Erschließung und die Funktionsräume untergebracht sind. Der Umgang mit den Materialien ist im ganzen Haus sehr pur und geradlinig: Alles, was mit Holz gebaut ist, ist auch mit Holz verkleidet, Beton bleibt Beton, Gipskarton Gipskarton.

 

Mit diesem Pilotprojekt haben wir bewiesen, dass ressourcenschonendes Bauen sehr gut im Einklang mit hohen architektonischen Ansprüchen möglich ist. Dank kontrollierter Be- und Entlüftung sowie Optimierung der Bauhülle werden Verbrauchswerte geringer als 15 kW/h Heizwärmebedarf pro Quadratmeter beheizter Nutzfläche und Jahr erzielt. Das Gebäude erfüllt somit als erster Schulneubau die Anforderung der strengen Vorarlberger Passivhausrichtlinien. Als geglücktes Pionierwerk erhielt das Schulhaus mehrere Architektur- und Energiesparpreise, u.a. den Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit.