Angelika Kauffmann Museum, Schwarzenberg (AT)

Am ansteigenden Hang westlich des Dorfkerns befinden sich zwei kleine Museen in einem historischen und sorgfältig gepflegten Wälderhaus aus dem 16. Jh. Der ehemalige Wohnteil dient als Heimatmuseum. Das neue Angelika Kauffmann Museum füllt den früheren Wirtschaftstrakt und wird über dessen Tenne betreten.

 

Diskretes Konzept

Eine breite Schiebewand lässt sich beiseite schieben, und das Museum ist geöffnet. Ist sie geschlossen, ist von der modernen Konstruktion aus Holz und Glas nichts mehr zu sehen.
Der Ausstellungssaal wurde als flach gedecktes „Haus im Haus“ in die Scheune eingefügt. Die raumbildenden Elemente definieren den Ausstellungssaal, erinnern aber auch an das ehemalige Wirtschaftsgebäude – ein anspruchsvoller architektonischer Dialog, der sich jedoch nicht in den Vordergrund schiebt. Kleine und große Welt, Tradition und Innovation werden in diesem Bauwerk in zurückhaltender Weise geschickt miteinander verknüpft.

Neben Diebstahl- und Brandschutz zählten kontrolliertes Innenraumklima und eine fachgerechte Beleuchtung zu unseren Bauaufgaben, außerdem ein Foyer mit Empfangstisch, Toiletten, ein kleines Büro und eine Teeküche für das Personal. Alle Arbeiten wurden im Einklang mit dem Denkmalschutz vorgenommen: An der Gebäudehülle durften wir im Grundsatz nichts verändern; sie blieb daher ungedämmt. Tatsächlich ist die neue Nutzung dem Haus von außen kaum anzusehen.

Auftraggeber: Gemeinde Schwarzenberg
Standort: A-6867 Schwarzenberg, Brand 34
Architektur: Dietrich | Untertrifaller
Projektleitung: Raphael Grups, Herbert Greber
Bauzeit: 2006-2007
Fläche: 315 m²

Auszeichnungen: 2010 International Architectural Restauration Prize

Partner
Bauleitung: Baukultur, Schwarzenberg / Statik: Merz Kaufmann Partner, Dornbirn / Haustechnik: Klimaplan, Hohenems / Elektro: Lingg, Schoppernau / Bauphysik: Weithas, Hard / Akustik: Brüstle, Dornbirn / Holzbau: Berchthold, Schwarzenberg /// Fotos: © Bruno Klomfar

Stützenfreie Konstruktion

 

Für ein stützenfreies, großzügiges Foyer haben wir zwei Zwischendecken und einen Pfeiler in der Raummitte herausgenommen. Die neuen Stahlträger integrieren sich als leichte, stabförmige Elemente gut in den hölzernen Dachstuhl.

Auch im Ausstellungsraum mussten Stützen entfernt und die ganze Tragstruktur angepasst werden. Die Lösung war eine von den Fassaden abgekoppelte, wärmegedämmte Halle. Das Dach lagert jetzt auf seitlichen Stahlrahmen, welche die vertikalen und horizontalen Kräfte in den Boden leiten.

Über der neu eingezogenen Decke des Ausstellungsraums sind die Technikräume untergebracht. Winzige Öffnungen in der Decke verweisen auf Rauchmelder; die Belüftung erfolgt über zwei schmale Auslässe an den Längsseiten. Diese Schlitze verlaufen direkt neben der Saalbeleuchtung und gleichen eher einer Fuge denn einer technischen Installation. Selbst einen Lichtschalter sucht man vergebens: Die Lichtsteuerung erfolgt über ein Schaltbrett im Foyer.

 

Die in der lokalen Tradition verwurzelten und doch mit modernster Technik vertrauten Handwerker gaben mit ihrer sorgfältig ausgeführten Arbeit dem Werk den letzten Schliff. Alle Teile passen zusammen und reihen sich ein in die lange Baugeschichte des Hauses.

Design im Dialog

Das bis unters Dach hinaufreichende, neun Meter hohe Foyer liegt hinter einer breiten Glaswand, als ob das Tor zur Tenne offenstehen würde. Im Foyer treten die Einbauten aus hellem Weißtannenholz mit der dunklen Rückwand des Bauernhauses und den alten Dachbalken in einen spannungsvollen Dialog.

Neu erforderliche Träger zum Abfangen der Dachlasten sind – zur Unterscheidung vom alten Zimmermannswerk – aus Stahlprofilen.

Der Boden aus sägerauen Tannenbrettern zieht sich vom Eingang bis in den Ausstellungssaal hinein. Dessen Seitenwände sind in drei flache Nischen gegliedert, zwischen denen verglaste Schlitze Blicke auf die alten Wände freigeben.

Die Porträts der großartigen Künstlerin Angelika Kauffmann kommen, mild beleuchtet, vor den weißen Hängeflächen bestens zur Geltung.

Historie

Die in London und Rom berühmt gewordene Künstlerin Angelika Kauffmann (1741–1807) stammt aus dem Dorf Schwarzenberg im Bregenzerwald. Daher wollte die Gemeinde der Malerin ein Museum widmen.

 

Als idealer Ort wurde ein traditionelles Bregenzer Wälderhaus auserkoren. Der Wohnteil dient als lokales Heimatmuseum und weist den typischen, laubenartigen Vorraum auf, den die Bregenzerwälder „Schopf“ nennen. Dieser kann mit von der Decke herunterklappbaren Läden oder Fenstern gegen Wind und Wetter abgeschlossen werden. Ein Motiv, das wir in aktualisierter Form gern verwenden.