Rudolf Steiner-Schule, Wien (AT)

Die Rudolf Steiner Schule im Maurer Schlössl, 1964 gegründet, ist Österreichs älteste Waldorfschule. Unterstufe und Hort sind in einem umgebauten Herrenhaus untergebracht, das die Anforderungen an einen zeitgemäßen Schulbetrieb nicht mehr erfüllen kann: schlechte Bausubstanz, zu wenig und zu kleine Klassenzimmer, keine Turnhalle. Unser Neubau verbindet sich harmonisch mit dem historischen Bestand – auf starke Brüche zwischen Alt und Neu haben wir verzichtet. Die Aula, der Speisesaal mit Gartenorientierung, der mit Tageslicht versorgte Turnsaal, der Hort, der Kindergarten und der Dachgarten bilden die Hauptelemente des klar strukturierten Raumprogramms.

Der Großteil des Um- und Zubaus konzentriert sich auf die südliche, der Straße abgewandte Seite. Der Charakter des straßenseitigen Bestandes, der unter Ensembleschutz steht, bleibt erhalten und wird optisch aufgewertet. Die flexible Raumkonzeption schafft ein kreatives Lernumfeld mit einem Maximum an variablen Funktionen und Anwendungen: Lern-, Spiel-, Sozial- oder Werkstattzonen können frei gestaltet und den jeweiligen Bedürfnissen angepasst werden. Der zentrale Zugang und die ablesbare Trennung der Funktionen im Inneren ergeben logische Abläufe und erleichtern die Orientierung. Die Aula, der Speisesaal mit Gartenorientierung, der mit Tageslicht versorgte Turnsaal, der Hort, der Kindergarten und der Dachgarten bilden die Hauptelemente des klar strukturierten Raumprogramms.

Den Eingang der Schule haben wir vom Hof an die Westseite verlegt. Foyer, Kindergarten und Speisesaal samt Schulküche liegen im Erdgeschoss des Altbaus, darüber befinden sich Sonderunterrichtsräume und Lehrerzimmer sowie im 2. Obergeschoss ein Eurythmiesaal. Im Neubau sind im ersten Stock vier Klassenzimmer mit Kleingruppenräumen und eigenen Garderoben untergebracht, darüber weitere Klassen samt Dachterrasse für den Freiluftunterricht. Erschlossen werden diese Räume über einen außenliegenden Laubengang mit direktem Zugang in den Garten. Gleichzeitig dient der Laubengang als baulicher Sonnenschutz und den Klassenräumen als Aufenthalts- und Kommunikationsbereich. Fast das gesamte Unter- und Erdgeschoss des Neubaus nimmt die Turnhalle ein, die über Fensterbänder großzügig natürlich belichtet wird und spannende Ein- und Ausblicke bietet. Dank eines eigenen Zugangs kann die Turnhalle auch außerschulisch genutzt werden.

Der Neubau wurde in Holzbauweise aus Rippen- und Hohlkastenelementen errichtet, mit natürlichen Dämmstoffen wie Stroh, Holz oder Hanf als Wärmeschutz. Der Innenausbau wird mit Lehmbauplatten und verputzten Lehmoberflächen umgesetzt. Diese Baustoffe haben eine niedrige Herstellungsenergie und sind regional verfügbar. Für die Lehmoberflächen wurde das Aushubmaterial vor Ort verwendet. Außerdem können die Holzbauelemente einfach wieder rückgebaut und recycelt werden. Ziel ist es, einen weitestgehend chemiefreien Innenraum zu schaffen.

Ziel des Um- und Neubaus war es, ein attraktives und kreatives Lernumfeld zu schaffen, das langfristig genügend Raum und eine flexible Gestaltung ermöglicht. Die hohe Transparenz des Neubaus bezieht nicht nur den Außenraum in den Schulalltag ein, sondern fördert auch die Kommunikation innerhalb des Gebäudes. Ein identitätsstiftendes Gesamtensemble, in dem das schulische Leben der Rudolf Steiner-Schule für alle erleb- und erfahrbar wird.

Auftraggeber: Rudolf Steiner Schulverein
Standort: A-1230 Wien, Endresstraße 113
Architektur: Dietrich | Untertrifaller und Andreas Breuss
Projektleitung: Tobias Indermühle
Wettbewerb: 2014
Bauzeit: 2022-2024
Fläche: 3.125 m²
Programm: 4 Stammklassen, Turnsaal, Bewegungsraum, Werkräume, Kindergarten, Hort, Schulrestaurant,

Partner
Statik Beton: Gerhard Gschwandtl ZT, Wien / Statik Holz: KPZT – Kurt Pock Tragwerksplanung, Klagenfurt / Bauphysik: Dr. Pfeiler ZT, Graz / Haustechnik, Elektro: Immo-Objekttechnik, Wien / Brandschutz: Hoyer, Wien / Landschaft: Carla Lo, Wien / Fotos: Aldo Amoretti, Dietrich | Untertrifaller