Kunsthochschule ENSAD, Nancy (FR)

Der Gebäudekomplex der Kunsthochschule Nancy bildet den nördlichen Abschluss des neuen Universitätscampus ARTEM (ARt, TEchnologie, Management), dem größten Universitätsneubau Frankreichs. Sie beherbergt alle für die drei Studienrichtungen Kunst, Design und Kommunikation erforderlichen Räumlichkeiten wie Ateliers, Werkstätten und Lehrsäle inklusive Administration sowie großzügige Ausstellungsflächen.
Der viergeschossige Baukörper „Vauban“ an der Nordwestseite und der fünfgeschossige „Signalbau“ an der Südostseite umschließen mit den beiden gläsernen Verbindungsbauten einen Innenhof. Die klare räumliche Organisation wird bereits beim Betreten des Gebäudes deutlich. Im  Signalbau befinden sich Ausstellungsflächen, Büros der Verwaltung und ein großzügiger Oberlichtsaal im Dachgeschoss. Das niedrigere Gebäude Vauban beherbergt Werkstätten und Ateliers. In den Verbindungsbauten sind ein Hörsaal und die zweistöckige Eingangshalle untergebracht.
Die beiden Baukörper unterscheiden sich äußerlich grundsätzlich voneinander: das mehrfach abgekantete Volumen des Signalgebäudes wird vollständig in eine Lochblechfassade aus braun-schwarzem, eloxiertem Aluminium eingehüllt. Ebenso das Dach, das damit zu einer fünften Fassade wird. Die Fenster sind zur Straße hin geschoßweise leicht versetzt und verändern zum Park hin allmählich ihre Größe. Die Fassade des quaderförmigen, langgestreckten Vauban-Baus ist mit schwarzen Zementfaserplatten verkleidet und zeigt die regelmäßige Struktur großformatiger, linear angeordneter Fenster. Als Anknüpfungspunkt zur Farbenvielfalt der benachbarten Universitätsgebäude von Nicolas Michelin, aber auch aus akustischen Gründen, wurden bunte Filzvorhänge an den Fenstern angebracht, während das südseitige Signalgebäude von außenliegenden Markisen beschattet wird.
Trotz ihrer äußerlichen Verschiedenartigkeit ist die Tragstruktur der beiden Gebäude ident: um einen Stahlbetonkern aus Sichtbeton, der alle vertikalen Erschließungen, die Toilettenanlagen und technischen Einrichtungen aufnimmt, liegen die frei überspannten Werkstattplateaus. Die hofseitigen Erschließungsgänge wurden bewusst nicht als „Gänge“ oder enge “Schläuche“ konzipiert, sondern als lichtdurchflutete, helle Aufenthaltsräume, die auch für Ausstellungen adaptiert werden können. Sie öffnen sich mit großen Fenstern zum Innenhof und schaffen damit eine starke visuelle Beziehung zwischen innen und außen.

Auftraggeber: Communauté Grand Nancy (Solorem)
Standort: F-54000 Nancy, 84 rue Blandan
Architektur: Dietrich | Untertrifaller mit Christian Zoméno
Projektleitung: Andreas Laimer
Wettbewerb: 2010
Bauzeit: 2013-2016
Fläche: 8.590 m²
Kapazität: 320 StudentInnen

Partner
Statik, Haustechnik, Elektro, Bauphysik: Artelia, Schiltigheim / Kosten: Bessère, Toul / Akustik: Venathec, Vandoevre-lès-Nancy /// Fotos: © Bruno Klomfar