Naschmarkt Deli, Wien

Naschmarkt Deli, Wien

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Der Naschmarkt, der bekannteste der Wiener Märkte für Frischobst, Gemüse und levantinische Köstlichkeiten, weist neben zwei Hauptzeilen eine Nebenzeile auf, in der die Geschäfte längst nicht mehr florierten. Hier entwickelte sich hingegen eine immer besser besuchte „Beisel“-Strecke mit attraktiven Gastgärten. Die zwar einheitlichen, aber baufälligen alten Marktstände mussten allerdings nach den Auflagen des Magistrats erneuert werden. Eines der ersten dieser neuen Lokale war das „Deli“, das zugleich einen qualitativen Maßstab vorgab.

Die äußeren Maße des Gebäudes standen fest: 25 Meter lang, fünf Meter breit; ebenso waren die Höhe, das flache Zeltdach mit großem Überstand und sogar der dunkelgrüne Anstrich festgelegt. Der gestalterische Ansatz für das Äußere verlegte sich daher auf eine Verfeinerung des architektonischen Ausdrucks. Die Stützen sind schlank, die Profile zart und die Proportionen wohlabgewogen. Nur ein ganz kleiner Teil des Gebäudes am nordöstlichen Ende ist geschlossen, alle übrigen Flächen samt Fensterbrüstung und Oberlichtern sind verglast, wobei sich die Hauptfenster pneumatisch hochklappen lassen, wie die Hecktüren von Automobilen.

Wenn im Sommer alle Fenster ausgefahren und Gastgarten samt Innenraum bis auf den letzten Platz besetzt sind, das Personal hin und her wirbelt, die DJ-Musik zusätzlich den Raum füllt, dann wandelt sich der von der Längsform evozierte Eindruck eines gemütlichen Flusskahns, und es gilt: „Alles klar zum Gefecht!“ In ruhigeren Zeiten lässt sich die lange, parallelen Schanktheken aus massiven Ahornholztafeln bewundern, die von der Küchenzelle ausgehen und auch als Bar dienen. Es gibt keine Rückwand, der Gang liegt in der Mittelachse.

Hier wird alles zum Laufsteg, die Leute an der Bar und an den Tischen im transparenten Gebäude sind ebenso exponiert wie das Personal. Darum kommen sie her: zum Sehen und Gesehen werden. Und doch lohnt das Innere des Bauwerks eine weitere Betrachtung. Die Fenstersteher und -rahmen kontrastieren mit einem zu Oliv tendierenden Grüngelb zum Dunkelgrün der Fassade. Die Tische aus Ahornholz, gebleicht vom regelmäßigen Abwischen, und die bequemen Sessel aus Buchenholz in klassischem Design der späten 1930-Jahre schaffen eine solide, auf Dauer angelegte Atmosphäre. Die mit vergrößerten Kaffeebohnen bedruckte, den Raum integrierende Textilbespannung an der Decke verbindet Exotik mit der Wiener Tradition des Kaffeetrinkens.

(Walter Zschokke, 2001)

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