Haus H, Prag
Eine der besonderen Strategien der Moderne ist es, durch die gezielte und reduzierte Setzung von Wand und Öffnung Raum zu schaffen. In einem unscheinbaren Wohngebiet in Tschechien, einem der Traditionsländer der Moderne, entstand aus diesem gestalterischen Spiel heraus der Wohnraum für eine Familie. Mit dem Rücken zur Straße und dem Blick auf eine ruhige Hügellandschaft schiebt sich das Haus als überbreiter, eingeschossiger Baukörper gezielt aus dem leicht abfallenden Gelände.
Umkleidet mit breiten Lärchenholzlatten zeichnen sich in ihnen die Einschnitte der Zimmerterrassen und der Wohnraumverglasung als ruhig liegende Figuren ab. Das hell verputzte, massive Sockelgeschoss ist auf eine Haushälfte zurückgenommen und verstärkt den schwebenden Charakter der darüber liegenden Holzkonstruktion. Zugang und Stiegenhaus durchqueren den Baukörper und verbinden nicht nur oben mit unten, sondern auch den Vorplatz samt Carport mit dem geschützten gartenseitigen Pool-Bereich, der etwas ins Gelände eingeschnitten ist. Gästezimmer und Wirtschaftraum im Sockel werden auf diese Weise vollwertig belichtet, Räume für Haustechnik und Nebenräume ragen mit Lichtbändern befenstert aus dem Gelände heraus.
Den Wunsch der Bauherren nach einer niveaugleichen Anordnung von Wohn- und Schlafbereich setzten die Architekten in ein weitläufiges System von Blickachsen und Wegen um, an denen abgeschlossene Rückzugsräume und offene Bereiche angehängt sind. Richtungswechsel unterstreichen die Übergänge. An der straßenseitigen Wand sind alle Nebenräume aufgereiht. Durch schmale Fensterbänder belichtet bleiben sie vor Einblicken von außen geschützt. Nur der Eingang und eine große Fensteröffnung am Westende setzen in dieser Reihe Akzente. Außen mit Lärchenholz umgeben, ist der Innenraum in weißem Leichtbau auf einheitlichem Eichenparkett gehalten. Zwischen der festen Rückwand des Stiegenhauses mit dem Eingang und einem zimmergroßen Terrasseneinschnitt breitet sich eine Wohnlandschaft mit Kamin und Esstisch aus. Die Küche ist in eine breite Nische gerückt, ein kleiner Salon am Stirnende bietet eine Rückzugsmöglichkeit und Raum für den Fernsehgenuss.Längs der Wegezone, die das gesamte Haus durchzieht, gelangt man in den Zimmerbereich jenseits des Eingangs. Hier sind drei Schlafräume und zwei Bäder zu einem ökonomisch organisierten Bereich geordnet. Von der schmalen Terrasse vor den Zimmern führt eine Brücke über das Stiegenhaus zurück in den Wohnbereich. Auf diese Weise verbinden sich die Wege im und um das Haus.
(Walter Zschokke, 2008)










