Bürgerhaus, Bregenz
In der gründerzeitlichen Blockrandbebauung besetzt das Bürgerhaus eine Eckposition. Volumetrisch dialogisiert der Baukörper mit dem Nachbarobjekt, ehemals Sitz einer Elektrofirma, von dem Architekten Wilhelm Braun jr. in den 1960er-Jahren errichtet und heute ebenfalls Teil der städtischen Verwaltung. Der Neubau weist hohen Publikumsverkehr auf, was eine prominente Erscheinung rechtfertigt. Dies wird mit klassischen Mitteln erreicht: sorgfältige Proportionen und subtile Plastizität.
Die Komposition der Volumen von Bestand und Neubau setzt sich zusammen aus einem turmartigen, vertikal gegliederten und von der Straße etwas abgerückten Mittelteil sowie aus zwei Flügelbauten an der Baufluchtlinie. Während der ältere Flügel horizontal mit Brüstungs- und Fensterbändern strukturiert ist, weist der Neubauflügel eine auf den ersten Blick einfache Lochfassade auf, die jedoch genaues Hinschauen lohnt. Die Fensteröffnungen sind so groß gewählt, dass die Mauerscheibe durchbrochen ist, aber noch nicht der Ausdruck eines Skelettbaus erreicht ist. Die Fenster sind geteilt in eine größere, fixe und fassadenbündige Fläche, womit der Gesamtkörper gestärkt und die Massenwirkung der Mauer zurückgenommen wird, sowie in eine kleinere, schmale, hohe Fensterfläche, die als Lüftungsflügel innenbündig liegt. Dies hat eine eben noch erkennbare Plastizität der Fassade zur Folge. Die subtilen klassisch-architektonischen Gestaltungsmittel der Proportionen und des Fassadenreliefs nobilitieren das Gebäude in einer der Nutzung angemessenen Weise. Der Eingang erfolgt lateral, das Motiv des ‘Schopfs’ aktualisierend.
Noch im Windfang teilen sich die Wege zum Jugendservice im Erdgeschoss und zur Eingangshalle des Bürgerservice, wo die allgemeine Information und in den Obergeschossen das Standesamt, das Sozialamt und die Rechtsabteilung zu finden sind. Das Innere ist einhüftig an einem Gang mit paralleler, gerader Treppe organisiert. Der Trauungssaal fand in der Eckposition im zweiten Stock einen prominenten Ort, und im zurückgesetzten Dachgeschoss des Neubauflügels erhielt die im Altbestand situierte Rechtsabteilung eine Erweiterung. Als weiterer Zusatz wurde auf dem Dach des Bestandsflügels ein Aufenthalts- und Sozialraum mit Teeküche eingerichtet. Nutzungsverteilung und funktionale Detailausbildung waren komplexe und anspruchsvolle Aufgaben der Architekten. Dies jedoch in der klar komponierten Fassade abzubilden, bestand für sie kein Anlass.
(Walter Zschokke, 2008)








