Am Hafen, Bregenz

Am Hafen, Bregenz

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Der mehrteilige Gebäudekomplex schafft an einer urbanistischen Schlüsselstelle ein Stück Stadt, das räumlich und funktional integrierend wirkt und dennoch eigenständig bleibt. Zusammen mit dem Gegenüber der Bauten der Höheren Technischen Lehranstalt aus den 1930er- und 1990er-Jahren bildet er an der nach Norden strebenden Ausfallstraße den Abschluss oder Auftakt des kompakten historischen Zentrums. Dabei gelingt es, die Dominanz der Verkehrsbänder zurückzudrängen, den Fußgängern mehr Bewegungsfreiheit zu verschaffen und die urbane Zone auszuweiten.

Die zum Kreisverkehr einbiegende Seestraße wird mit dem Akzent eines siebengeschossigen Turms optisch gebremst. Dahinter fasst der erste von drei über dem Erdgeschosssockel „schwebenden“ Wohntrakten den Platzraum des Kreisverkehrs. Zusammen mit dem Turm stärkt er energisch die Raumbildung und verhindert ein gestaltloses Ausfließen dieser wichtigen Torsituation. Die teils stark vorkragenden, kopfartig verbreiterten östlichen Stirnseiten der dreigeschossigen Wohntrakte verdichten sich zur Straßenbegleitbebauung und dialogisieren mit den Bauten der Höheren Technischen Lehranstalt.

Nicht zu unterschätzen ist in diesem Wechselspiel der Formen die Rolle der „Nase“ am südlichsten Wohntrakt, die den Straßenraum, soweit es geht, einengt, um dem Kontinuum des Verkehrsflusses eine Differenzierung in städtische Raumfolgen entgegenzusetzen. Der ausgedehnte Gebäudesockel ist zum Gehsteig hin durchgehend verglast, sodass Einblicke in den darin befindlichen Lebensmittelmarkt die heikle Situation an der viel befahrenen Straße verbessern. Sein Dach ist gärtnerisch gestaltet, und die nach Westen, zum See hin, offenen Höfe sind nicht öffentlich zugänglich, sondern den Wohnungen vorbehalten. Südorientiert sind sie gut besonnt, und von ihren Loggien aus erlauben sie einen Schrägblick auf den See.

Attraktiv sind die Wohnungen in den Westköpfen mit der Panoramasicht auf die Bregenzer Bucht. Während im Erdgeschoss des Turms ein Restaurant mit Gartenwirtschaft den kleinen Platz davor aufwertet, enthalten die oberen Geschosse Büros, deren Aussicht keine Konkurrenz zu scheuen braucht. An beiden Seiten sind Fußgängerzugänge unter beziehungsweise über den Bahngleisen zu Hafen und Seepromenade angeordnet, die Schnellbahnstation liegt vor der Haustür. Eine zweigeschossige öffentliche Tiefgarage dient als Fundament; sie weist stadtseitig ebenfalls eine Einfahrt auf, sodass die Eigentumswohnungen ‘am Hafen’ mit nah und fern gut verbunden sind.

(Walter Zschokke, 2008)

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